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Interview: AS DIVINE GRACE
Titel: Romantische Sehnsüchte

Finnland, das Reich der tausend Seen, hat in der Vergangenheit einige bestens in der internationalen Szene reputierte Black und Dark Metal-Acts hervorgebracht, die Insidern bestens bekannt sein dürften. Weniger bis gar nicht bekannt hingegen ist eine nicht durch schneidende Härte oder durch teuflische Rasanz auffallende Band, die dafür mit hingebungsvoller, gitarrenorientierter Rockmusik, welche ein Höchstmaß an Eigenständigkeit auf der Habenseite verbuchen darf, die Open Minded-Listener auf Ihre Seite bringt.

Man firmiert bereits seit 1994 unter dem Namen As Divine Grace. Die schwelgerischen Klanggebilde des zu gleichen Teilen aus den Städten Turku und Bori stammenden Sextetts könnte man als wunderschön-subtilen und gleichfalls experimentellen wie atmosphärischen Alternative Indie Pop mit metallischen Anleihen definieren.

Um es auf den Punkt zu bringen; ich habe lange keine so anmutigen und den Ohren derart schmeichelnden Songs wie auf dem aktuellen Album „Supremature“ vernehmen dürfen!

Verträumte und sehnsuchtsvolle akustische Romanzen, die den Hörer ebenso entspannen wie einnehmend stimulieren. Die hypnotisch betörende Stimme der begnadeten Vokalistin Hanna Kalski ist von rührender Anmut, die Melodien in ihrer Prägnanz einfach großartig.

Fast kam es mir damals beim Erstkontakt mit dem Debüt „Lumo“, welches 1997 erschien, so vor, als hätte ich immer auf so etwas gewartet.

Der bereits gewonnene Eindruck wurde jetzt also mit dem Nachfolger „Supremature“ noch einmal vertieft, und so konnte ich es kaum erwarten, mir von Drummer Mikko Lappalinen, einem liebenswert-höflichen Repräsentanten seines Landes, nähere Einzelheiten zu seiner Wirkungsstätte erzählen zu lassen.

Mikko, bitte erzähle mir ein bißchen über die großartige Sängerin, die eurer Musik mittels ihrer gefühlvoll-charismatischen Stimme eine faszinierende Aura verschafft!

„Ja, Hanna ist eine wirklich gute Sängerin. Wir sind glücklich, sie in der Band zu haben. Nicht nur außerordentlich talentiert, versteht sie es auch wie nur wenige, eine individuelle Vielseitigkeit in ihren Gesang einfließen zu lassen.“

Mein Gesprächspartner weiß laut eigener Aussage nicht, ob die Dame Gesangsunterricht nimmt oder jemals genommen hat. Fest steht für ihn jedoch: „Ihre Professionalität beeindruckt uns immer wieder aufs Neue. Auch hat sie es abartig drauf, stark differierende Gefühlsebenen und Stimmungen auszudrücken, was ja in unserer Musik eines der wichtigsten Gestaltungselemente darstellt. Ihre Gesangstechnik ist eben wie geschaffen für As Divine Grace.“

Wie entstehen eure an sich doch sehr tiefsinnigen und stellenweise auch progressiven Songs? Und wer komponiert und schreibt die Stücke?

„Unsere zwei Gitarristen bringen die Songs in der Rohform an und wir arbeiten diese dann alle zusammen aus. Durch die beiden Gitarren erzielen wir auch eine größere Bandbreite in unserem Sound. Ich kenne die beiden schon ewig und habe mit unserem Bassist und Keyboarder früher auch schon mal in einer anderen Band zusammen gespielt. Wir sind überdies auch sehr gute Freunde, die in vielen Dingen harmonieren.“ Eine nicht zu unterschätzende Voraussetzung für das Gelingen solcherlei Art von Musik.

Bist du denn schon von Anfang an dabei und was machst du hauptberuflich?

„Nein, ich stieß erst nach den Aufnahmen von `Lumo` dazu; verfolge die Karriere der Band aber schon seit ihrer Gründung und freue mich nun sehr, bei As Divine Grace zu trommeln. Momentan arbeite ich als Lehrer und unterrichte in Englisch.“

Was hörst du denn in deiner Freizeit für Musik? Sammelst du bei anderen Bands Impressionen für dein Drumming? „Ich höre mir sehr gerne Guitar-Pop an; auf der anderen Seite aber auch ebenso gerne alte Helden wie Metallica oder die allmächtigen Slayer. Orientieren tue ich mich aber nur an eher ruhigeren Sachen.“

Stichwort Guitar-Pop; ich meine, man kann eure Musik ganz gut mit den 10.000 Maniacs oder stellenweise mit den Cranberries vergleichen, was jetzt sicher vielen helfen wird, euch einzuordnen.

„Ja, das könnte so ungefähr hinhauen. Allerdings ist unser Sound doch etwas ganz Eigenes. Ich glaube, einen direkten Vergleich mit einer anderen existierenden Band kann man nicht machen. Unsere Komponenten hart und doch auch zart habe ich in dieser Form noch nicht zu Gehör bekommen; nicht zuletzt, weil wir doch überwiegend sehr verträumt und in keinster Weise fröhlich klingen.“

Na, das ist doch was! Wer kann so etwas schon von sich behaupten? Open-Minded-People werden an euren Kreationen sicher viel Freude haben. Wie steht es denn mit Live-Auftritten; speziell in eurer Heimat?

„Ach, daß ist so eine Sache mit den Live-Auftritten bei uns. Die Finnen sind leider in dieser Richtung sehr faul; es gibt sehr wenige Veranstalter und die Gigs sind meistens auch sehr schlecht organisiert, was viele Bands schon von einer kleinen Tour abhält. Das finde ich bedauernswert. Die Leute gehen, wie es scheint, auch lieber in kleine Clubs und Bars, wo sie unter sich sind.“

Was kannst du mir zu eurem Bandnamen mitteilen; hat er eine besondere Bedeutung? „Leider hat er keinen tieferen Sinn; er wurde gewählt, weil er einfach gut klingt.“ Ohne Zweifel.

Eure Scheiben werden ja auf dem italienischen Label Avantgarde Music verlegt; inmitten prächtiger Black- und Dark Metal Acts. Habt ihr keine Bedenken, daß eure Werke da ein wenig zu kurz beziehungsweise an die weniger geeigneten Adressaten gelangen?

„Roberto, der Chef von Avantgarde, hat auch schon bei `Lumo` gute Arbeit geleistet. Wir können ihm natürlich nicht vorschreiben, wie er uns zu vermarkten hat, aber wir vertrauen ihm und hoffen, daß die Öffentlichkeit uns genauso beachtet und die Resonanzen noch größer ausfallen als beim Albumvorgänger. Insgesamt sind wir optimistisch, was die Zukunft angeht. Ich möchte auch auf jeden Fall in der Band bleiben, da ich mich dort sehr wohl fühle.“

© Markus Eck, 07.12.1999

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