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Interview: DIMMU BORGIR
Titel: Hermetisch im Eigenen


Seit dem viel diskutierten, 2010er „Abrahadabra“ hat die symphonisch interessierte Black Metal-Welt kein neues Album mehr von den norwegischen Genremajestäten und Originatoren vernommen.

Dimmu Borgir indes, sich ihrer künstlerischen Eigenverantwortung vollauf bewusst, warteten gezielt, bis sie die dunkle Muse wieder so richtig küsste. Der pulsierende Kern der Formation, der sich aus dem verschworenen Dreierbund aus Sänger Stian ‚Shagrath‘ Tomt Thoresen und den beiden Gitarristen Sven ‚Silenoz’ Atle Kopperud und Thomas Rune Andersen Orre alias Galder zusammensetzt, ließ sich alle nötige Zeit für eine vollständige Neufindung. Vor allem zum 25-jährigen Bandjubiläum.

In der Zwischenzeit wussten diverse, als Überbrückung dienende Releases die Legionen der Fans mehr oder weniger bei Laune zu halten.

Immens gespannt ist die Gilde daher auf das neue, epischer, opulenter und aufwändiger denn je inszenierte Langwerk „Eonian“.

Wie mir ein entspannt sprechender Silenoz in spürbar guter Redelaune zu berichten weiß, konnte die vorab veröffentlichte Single „Interdimensional Summit“ für allerlei differierende Aufmerksamkeit sorgen. Ob letztere nun überwiegend positiv, neutral oder negativ geartet ist, darum kümmert er sich so gar nicht, wie er konstatiert.

„Dieser Song bringt die ‚neue’ Essenz von Dimmu Borgir einfach nur optimal hervor. Ob er repräsentativ genug für ‚Eonian’ steht, sollen am besten andere entscheiden. Natürlich sind nicht alle da draußen einverstanden oder gar begeistert von unserer aktuellen, musikalischen Ausrichtung. Darum kümmern wir uns aber schon länger nicht. Diesmal gingen wir sogar noch losgelöster davon vor. Wir lösten uns ohnehin schon länger von hinderlichen Gedankenspielen, was die Welt von uns erwartet oder nicht. Für mich als Künstler und Individualisten steht meine Selbstverwirklichung einfach an allererster Stelle. Ich mag es absolut nicht, irgendetwas halbherzig an den Start zu bringen.“

Und diese über die Jahre mehr und mehr verfestigte Einstellung hilft ihm viel, sagt er, den enttäuschten bis ablehnenden Kommentaren und Reaktionen zu begegnen. Dass die Mehrzahl der Interessenten der Komposition jedoch begeistert gegenübersteht, erfreut den Axeman natürlich.

„Es ist für uns überwältigend zu erleben, was damit so alles abgeht! ‚Interdimensional Summit‘ ist ein riesiger Erfolg. Wir sind auch mit dem Endergebnis des Musikvideos dazu richtig glücklich. Es wird bald eine zweite Single enthüllt. Und dieser Song wird sich, auch durch seinen experimentellen Charakter, dann doch ziemlich unterscheiden von ‚Interdimensional Summit’. Ich sehe schon all die überraschten Gesichter dabei“, kommentiert der Saitenhexer mit einem verschmitzten Lächeln.

Er hofft sehr, so fügt er hinzu, dass die Fans ihm und seiner Formation die außergewöhnlich lange Wartezeit auf den neuen Langspieler letztlich möglichst milde nachsehen werden mögen.

„Wer ‚Eonian‘ nicht nur aufmerksam hört und als homogenes Gesamtkunstwerk auf sich wirken lässt, sondern den Inhalt auch ‚versteht‘, der wird uns ganz bestimmt nachfühlen können, dass es die ganze aufgewendete Zeit wirklich dafür gebraucht hat. Jeden einzelnen Tag. Es ist alles Warten wert, sage ich. Für mich fühlt sich ‚Eonian‘ wie ein völlig neuartiger und ganz eigenständiger Höhepunkt in unserer Laufbahn an. Echte und wirkliche Kunst kann nur ohne störenden Druck und hinderliche Einflüsse entstehen. Echte Kunst sollte meines Dafürhaltens nach stets eine Art ‚Flucht‘ aus der Realität sein. Und genau das war unser Ziel, einzig das wollten wir in Wahrheit machen. Man sollte sich von der eigenen Kunst gespannt an die Hand nehmen lassen und einfach warten, wohin sie einen mitnimmt. So eine Reise kann absolut ereignisreich und auch verdammt erkenntnisreich sowie vielfach spannend sein.“

Womit er eher schlecht bis gar nicht klarkommt, ergänzt dieser ausgesprochene Charaktermensch, ist das tendenziell übler werdende Verhalten von Usern im Internet, wenn es zu dem Punkt, an dem Bands beschimpft und in den Dreck gezogen werden.

„Natürlich habe auch ich eine ganz klare Vorstellung, was mir musikalisch gefällt oder nicht, beziehungsweise ob ich den künstlerischen, stilistischen Weg von Bands mitgehe oder nicht. Aber ich habe zumindest Respekt davor, was eine Band tut, solange sie ehrlich zu sich und zu den Fans ist. Mir kommt es immer öfter so vor, als würden gewisse Menschen die Musik an sich gar nicht mehr so richtig schätzen. Vielmehr scheinen beileibe nicht Wenige nur noch vor dem Rechner oder mit ihrem Smartphone dazusitzen und negative bis beleidigende Kommentare zu allen möglichen Aspekten abzulassen. Eine äußerst bedenkliche Entwicklung, wie ich finde.“

Thematisch dreht sich „Eonian“ mittels philosophischer Ansätze primär um die Illusion von Zeit und die mannigfaltigen Rätsel darum. Auch der Begriff Luziferianismus, genannt als Lebenskonzept, wurde vorab von den Urhebern in die Waagschale geworfen. Darauf angesprochen, verfinstert sich die Stimme des ebenso gefestigt wie entschlossen wirkenden Gitarristen sogleich wieder.

„Wir möchten das allerdings äußerst vorsichtig handhaben. Die Bedeutungen der textlichen Inhalte der Songs sollen eben nicht sinnbildlich auf dem Silberteller präsentiert werden. Denn es ist uns höchst wichtig, dass die Leute ihre ganz eigenen, persönlichen Visionen und Interpretationen der neuen Lyrics im Kopf entstehen lassen.“

Das Einzige, was Silenoz dazu offenbaren möchte, ist, dass es auf „Eonian“ um die sichtbare Welt geht und um eine Welt, die dem entgegen völlig unsichtbar ist.

„Letztere birgt in einer Art Paralleluniversum, sozusagen einem metaphysischen Reich, allerlei dunkle Kräfte und Dimensionen. Darin vollzieht sich eine sagenhafte, auf geistigen Leveln erstreckende Suche nach Wissen, nach ‚luziferischen Lichtschlüsseln‘.“

Geschrieben wurden auch die neuen Stücke nach bestens bewährtem Muster der gereiften Zusammenarbeit.

„Eine gute Idee kann mir tatsächlich fast überall in den Sinn kommen, die Stimmung und die Eindrücke machen es aus. Ich bevorzuge aber in der Regel mein eigenes Studio, wo ich so oft es mir möglich ist über neuen Ideen brüte und auch schon eine ganze Menge neuer Riffs aufnehme. Dies kann auf einer Gitarre oder sogar einem Keyboard sein. Darin entstehen auf alle Fälle die meisten meiner Ansätze. Die präsentiere ich dann bei späteren Treffen den anderen beiden, welche mir wiederum ihre neuen Ideen und Entwürfe vorspielen. Mir kommen dabei auch nicht selten sogar bestimmte Vokal-Arrangements in den Sinn, die ich dokumentiere, um sie später mit Shagrath zu vertiefen. Schließlich wird das Ganze zusammen Stück für Stück weiterentwickelt und verfeinert.“

Dass bei drei solchen, musikalisch gefestigten Typen wie uns dabei so einige Herausforderungen entstehen, versteht sich beinahe von selbst, proklamiert Silenoz. „Denn wir haben voneinander differierende Musikgeschmäcker. Wir als schöpferisches Trio harmonieren da aber zum Glück für die Band ganz gut und ziehen für Dimmu Borgir insgesamt zweckdienlich an einem gemeinsamen Strang, wie sich die letzten Jahre erfreulicherweise herausgestellt hat. Das ist relativ schwer genauer zu erklären. Ebenso ist es insgesamt auch nicht gerade leicht für uns selbst. Unsere Ideen in ein funktionierendes Kombinat zu bringen, ist jedenfalls manches Mal fast schon so schwierig wie Öl und Wasser so heftig zu vermengen, dass am Ende eine einzige, gänzlich verbundene Mixtur entsteht. Eigentlich ja unmöglich, doch wir drei, wir kriegen das hin! [lacht laut] Denn zum Schluss enden wir doch immer bei den Riffs, die wir in trauter Einigkeit mögen. Genau genommen bin ich die Person, die die meisten Überblick hat und die ein wenig von allem macht. Sehr wichtig ist aber eben, dass jeder von uns absolut gleichberechtigt in den Kompositionsprozess mit eingebunden und darin respektiert und geschätzt wird. Und wenn eine Idee also erst mal als gut von uns erachtet wird, dann wird sie auch verwendet.“

Bei der gezielten Frage, wie er als einer der Maincomposer von Dimmu Borgir nun dazu gelangte, derlei thematische Vorstöße zu wagen, gerät der Sixstringer erneut in eine kräftiger klingende Art der Formulierung.

„Dazu hat es nichts Weltbewegendes oder Besonderes benötigt“, stellt er klar, „das kommt direkt aus dem Innern und kann bei mir sogar schon allein durch das Hören von bestimmen Songs entstehen. Ich sehe es sowieso vielmehr als eine Suche an als ein Auffinden, das macht es ja letztlich auch so spannend. Wir tauchen auf dem neuen Album in Themen ein, die wir einfach generell ziemlich interessant finden, und lassen das Ganze völlig offen und neugierig sozusagen in diverse, eigendynamische Wendungen münden. Ich bin ohnehin nicht der große Bücherwurm, den manche in mir vermuten möchten. Bei mir entstehen die allerbesten, ergiebigsten Visionen durch das Ansehen von speziellen Filmen oder während des Hörens von ganz gewissen Alben. Welche das nun jeweilig genau sind … das behalte ich jedoch lieber für mich.“

Die letzten Jahre verbrachten Dimmu Borgir in ihrer „eigenen, kleinen Blase“, wie es Silenoz mit einem Anflug von Ironie im Tonfall benennt. „Das muss auch genau so sein, wenn man wie wir so extrem fokussiert auf das eigene Schaffen sein will, denke ich. Für uns hat sich das wirklich als perfekt erwiesen, so isoliert zu leben, zu abgeschieden zu denken. Irgendwie fühlt es sich momentan auch recht seltsam an, so relativ kurz vor der Veröffentlichung des neuen Albums. Wir geben der Öffentlichkeit nun preis, wofür wir so lange Zeit im Nonstop-Modus so intensiv gearbeitet haben. Wir treten jetzt aus unserem eigenen, kleinen Universum heraus.“

Das weitere, immer harmonischer geratende Gespräch nimmt nach dem letzten Statement ganz automatisch schnurstracks direkten Kurs in persönlichere Gefilde - was dem Mann nur entgegen kommt, wie er durchschimmern lässt.

„Sein eigenes Territorium zu erkennen, zu markieren und zu pflegen, ist etwas Wunderbares. Man sollte niemals Angst davor haben, darin ein Entdecker zu sein - und schon gar nicht sollte man eben Angst vor sich selbst haben!“

Ein gutes Stichwort, findet Silenoz. Denn auch In Dimmu Borgir selbst ging es schon immer um möglichst breite und tiefe Weiterentwicklung.

„Und das sowohl auf musikalischem wie lyrischem Sektor. Wir haben erst gar nicht versucht, uns je zu sehr zu wiederholen. Wir sind Künstler. Manchen verstehen das. Manche nicht. Es gibt so viele, die uns zu allen Zeiten bedrängen, das alte Zeug zu wiederholen. Doch wir können nicht zurückgehen. Wir müssen nach vorne blicken. Es gibt so vieles zu entdecken, um neue Musik zu erschaffen.“

Doch der Rest des Weltgeschehens kümmert diesen ewigen Idealisten und Überzeugungstäter erwartungsgemäß nicht sehr, wie er in aller Aufrichtigkeit wissen lässt.

„Ich bin einzig geeignet und befähigt um Musik zu machen! [lacht] Das ist es, was ich am liebsten tue und wofür ich einzig lebe. Ich distanziere mich eher von der Gesellschaft, von der übrigen Welt. Das garantiert mir mein ganz persönliches, musikalisches Entkommen. Ich mag nämlich ganz ehrlich gesagt auch nicht, was auf unserem Planeten so alles vor sich geht. Es wird ja schlimmer und schlimmer, wie die Menschheit mit der Erde und miteinander umgeht. Es ist auf vielerlei Weise wirklich schrecklich für mich, das immer wieder mitansehen zu müssen. Ich kann es nicht anders darlegen, aber ich finde einfach keinen anderen Weg, um das ausdrücken zu können, als über meine Musik“, bestätigt sich Silenoz selbst.

Deswegen ist er auch so gerne allein, wie von dem Flitzefinger in Erfahrung zu bringen ist. „Das war schon so, als ich noch Kind war. Ich habe es relativ schnell gemerkt, dass ich auf gewisse Weise ‚anders’ bin als die Kinder meiner Umgebung. Ich denke und sinniere eben gerne über die Dinge nach. Andere halten es so gar nicht aus, ohne Gesellschaft sein zu müssen. Ich aber genieße es regelrecht, für mich zu sein.“

Es fühlt sich für den Griffbrettmeister sogar stets aufs Neue seltsam an, wie er offenlegt, Interviews zu geben. „Ich bin grundsätzlich schon ein sehr offener und meistens ganz entspannter Charakter. Aber ich bin ziemlich introvertiert, wenn es darum geht, der Allgemeinheit etwas ganz Bestimmtes, beziehungsweise etwas sehr Persönliches von mir selbst zu enthüllen. Ich bin daher auch gar nicht so gut darin, über mich generell zu erzählen. Für mich sind meine Lieder simpel gesagt der direkte Weg, um mit der Außenwelt zu kommunizieren. So sehe ich das. Aufwändig im Detail zu erzählen, wie ich, wie wir dies und das gemacht haben, damit die Kompositionen ihre finale Form finden, liegt mir nicht sehr. Man kann und sollte Kunst nicht in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen, sondern sie viel lieber als Gesamtes wirken lassen. Man fragt einen Maler auch nicht, während man sein Gemälde genießt, welchen Pinsel er für welchen Bereich des Bildes verwendet hat! Mein Leben und mein emotionaler Kosmos sind in ‚Eonian‘. Punkt.“

Um einiges lieber spricht der Skandinavier daher schon von den kommenden Konzerten, lässt er verlauten, auf welchen die Nummern der neuen Platte vorgetragen werden.

„Endlich werden die Fans wieder die Möglichkeit haben, uns live zu erleben. Seit 2014 haben wir ja schließlich keine Gigs mehr gespielt.“

Selbst für ihn als langjährigen Routinier, bekennt Silenoz diesbezüglich gleich auch noch, wird es äußerst spannend werden, nach so langer Abstinenz wieder auf die Bühnenbretter zu gehen.

„Man wird ja auch älter und muss umfangreichere Vorkehrungen treffen, um wieder in erforderliche Form zu kommen. Mein individuelles Geheimnis, um fit zu bleiben? Ich habe viel Sex! [lacht] Im Eigentlichen achte ich auch sehr darauf, was ich esse. Bemühe mich, nicht zu viel herumzusitzen, auch mal einen längeren Weg zu gehen. Selbst joggen nehme ich hin und wieder auf mich. Eine komplette, anstrengende Dimmu-Show lang sauber und akkurat zu performen, wird ja von Jahr zu Jahr härter. Ich habe mich diesem Fakt daher aufrecht und vor allem auch möglichst realistisch zu stellen. Aber ich habe eine gesunde Einstellung dazu, das hilft mir viel.“

Die anstehenden Shows werden voller neuer, unerwarteter Überraschungen stecken, wird anschließend voller Aufbruchsstimmung verkündet.

Allerdings, wie der Klampfer bedauert, werden nicht alle Teile auf dem Globus in den Genuss des komplett ausgestatteten Live-Spektakels kommen können. Und dies tatsächlich aus logistischen Gründen.

„Mit unserer aufwändigen Bühnenausstattung um die Erde zu fliegen, stellt natürlich eine Vielzahl an Herausforderungen für uns dar, wie man sich allzu leicht vorstellen kann. So hängt es natürlich immer ganz davon ab, wo genau wir auftreten werden beziehungsweise was uns die einzelnen Länder und die individuellen technischen Bestimmungen und Möglichkeiten erlauben mitzunehmen etc. Wir werden jedenfalls versuchen, stets so viel wie möglich aufzufahren. Und wenn wir weniger mit auf die Reise nehmen, dann eben das jeweils Interessanteste herauszupicken, um den Besuchern möglichst packende und unvergessliche Auftritte zu ermöglichen. Schließlich geht das Ganze Hand in Hand, also Songs und dazugehörige, speziell konzipierte, visuelle Effekte etc.“

Auf die großen Festival-Events 2018 freut sich Silenoz schon sehr, wie er mit kontrollierter Bescheidenheit frohlockt. „Wir werden einen ganzen Haufen davon bespielen. Dieses Jahr liegt unser Fokus sogar vermehrt auf Amerika - ein Festival wird uns in Las Vegas sehen. Im Weiteren werden in New York und in Chicago auftreten. Wir versuchen jedenfalls, die ganze Welt mit dem neuen Album im Gepäck zu besuchen. Es wird uns allen 100 Prozent an Hingabe abverlangen, und es wird auch für einige Jahre so gehen. Ich weiß, wovon ich rede, wir haben das schön des Öfteren erlebt. Momentan befinden wir uns noch im Prozess der Planungen. Diesmal wollen die Erfahrungen aus der Vergangenheit konstruktiv nutzen und werden ein wenig ausgesuchter vorgehen, was die Venues angeht. Sinnvoll soll es sein. Manche Teile des Globus sind sozusagen ohnehin ‚überspielt‘ und wir bevorzugen daher die Orte, die eher ‚unterversorgt‘ mit Musik wie der unseren sind. Das erscheint uns wichtiger als 365 Tage lang dort zu sein, wo sowieso immer mächtig was los ist.“

Es bleibt beim Thema USA. An den ersten Auftritt seiner Band dort kann er sich noch ganz gut erinnern.

„Das war ein Festival in 1998. Zu touren begonnen haben wir in den Staaten dann ein Jahr später, es ging auf eine lange und anstrengende Reise mit Samael. Zu der damaligen Zeit waren den meisten Leuten da drüben als Band noch ziemlich unbekannt. Wir hatten bis zu dem Zeitpunkt ja keine große Promotion in den USA erhalten. Ich kann mich noch einigermaßen an die Gesichter im Auditorium erinnern, die uns doch noch sehr ungläubig bis verdutzt bestaunten. [lacht] Ja, für viele war das, was wir boten, ebenso neu wie andersartig. Sehr viel besser lief das Ganze dann für uns in Übersee, nachdem wir ‚Death Cult Armageddon’ 2003 auf den Markt brachten. Wir beackerten das damalige Ozzfest mit Judas Priest und Black Sabbath. Das war nicht nur eine großartige Möglichkeit für Dimmu Borgir, in den Vereinigten Staaten Fuß zu fassen, sondern es kurbelte auch die Albumverkäufe in US-Amerika ganz beträchtlich an. Heutzutage verhält sich das ganz anders, eine Vielzahl an uns ähnlichen Bands tourt ja mittlerweile beinahe das ganze Jahr über durch die USA. Das ist ja sozusagen schon ‚ganz normal‘ geworden.“

Was nicht jeder über Silenoz weiß: Er ist seit Jahren passionierter Motorradfahrer. Genauer: Er liebt und fährt seine Harley Davidson-Maschine mit großer Hingabe.

„Ich fahre eine Custom Fatboy, ein Modell aus dem Baujahr 2000, die ich vor circa fünf Jahren aus Kalifornien importiert habe. Ich bin weder ein übervorsichtiger Fahrer noch rase ich halsbrecherisch durch die Gegend. Ich habe das sehr gut im Griff. Für mich ist Harley-Fahren die reinste Mediation. Einige meiner Buddies hören gerne Musik beim Biken, ich jedoch erfreue mich lieber am Blubbern des Motors und spüre die bulligen Kolbenschläge am ganzen Körper. Nun ist Motorradfahren ja nicht grundsätzlich gefährlich. Sorgen machen mir aber immer öfter die anderen Verkehrsteilnehmer, deren Verhalten für Biker ansteigend gefährlicher wird. Wenn ich aufsteige, verlasse ich also ganz bewusst meine eigene Komfortzone. Ich wachse dabei unterwegs als Person. Ein gewichtiger Aspekt für mich neben all der Fahrfreude. Für das Herumbasteln und all die Schrauberei an der Maschine bin ich allerdings nicht so gut geeignet, wie ich zugeben muss, da es mir schlicht an der nötigen Geduld dafür fehlt. Auch ist mein technisches Wissen darüber nicht allzu groß. Ich fahre also lieber damit als daran zu arbeiten! Ich habe glücklicherweise aber einige Kumpels, die wirklich alles über derlei Bikes wissen. Wir helfen uns da immer ganz gut gegenseitig, ich tue denen auch diverse Gefallen, damit das alles vernünftig ausgewogen bleibt.“

© Markus Eck, 20.04.2018

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