Band: BLACK MESSIAH
Titel: The Final Journey
Genre: Pagan Metal
Label: AFM
Format: Album CD
Punkte: 8 / 10

Dass das neue Werk erst das fünfte Album der 1992 gegründeten Ruhrpott-Rotte ist, steht exemplarisch dafür, dass sich Black Messiah die nötige Zeit für ihre Kunst lassen. Und daher ist auch der aktuelle Nachfolger zum letzten erfolgreichen Langschlag „First War Of The World“ eine absolut durchdachte Angelegenheit geworden.

Ganze 20 Jahre an ereignisreicher Band-Existenz werden nun also von „The Final Journey“ erfreulich angemessen überdacht. Das Frontcover-Artwork weiß mir leider nicht ganz so gut zu gefallen, wie es bei früheren Veröffentlichungen der Horde der Fall war. Farblich ist das Bild gekonnt koloriert, aber die Motivik an sich wirkt auf meinen Geschmack nicht stimmig.

Im typisch heroisch-epischen Stil der Gelsenkirchener Pagan Metal-Horde geht es auf der Platte gleich mal los mit der eisigen fünfminütigen Über-Hymne „Windloni“. Dieser wahrlich überragend orchestrierte Song-Erfolg, zu dem auch ein selten professioneller Video-Clip gedreht wurde, ist einfach fantastisch geworden! Einen besseren Track hat man von dem singenden Fidel-Recken Zagan und seiner treuen Musiker-Mannschaft wohl sehr selten gehört.

Betont vollmelodisch und hochgradig eingängig geht es hier weiter. Und recht schnell stellt sich dabei heraus, dass „The Final Journey“ sich wirklich bestens einreiht ins bisherige qualitative Schaffen der Nordrhein-Westfälischen Freigeister-Meute. Überraschung mit gigantischem Pathos: Erneut vertont wurde sogar die stark polarisierende Kult-Komposition „Feld der Ehre“, welche den doch sehr speziellen Text im neuen Soundgewand noch viel berührender macht. Ergeben lieben oder fanatisch hassen, heißt dabei die unumgängliche Devise. Ich entscheide mich einmal mehr nur zu gerne für ersteres.

Apropos, auch mit den restlichen, zum Großteil wieder mal köstlich kernig gewordenen Lyriken der anderen neun enthaltenen Nummern können Black Messiah ihren individuellen Ruf einmal mehr ausbauen, zu den leidenschaftlichsten und linientreuesten Genre-Künstlern überhaupt zu gehören. Man höre und genieße da nur den monumentalen Ketzer-Knüller „Der Ring mit dem Kreuz“. Dieses Lied ist ein partiell regelrecht aufwühlendes Bekenntnis, welches mit über acht Minuten Spieldauer als längste Komposition auf der neuen Liedersammlung einhergeht.

Einer der strahlenden Höhepunkte an sich auf dem neuen Diskus: „Into the Unfathomed Tower (A Tribute To Candlemass)“, eine spieltechnisch wirklich brillant umgesetzte und erstaunlich perfekt arrangierte Coverversion des spannenden Candlemass-Instrumentalstückes vom 1989er „Tales Of Creation“-Album. Gerade hierbei ist das hohe Maß an Hingabe der Beteiligten sehr deutlich zu registrieren. Die ebenso souveräne wie teils fulminante Gitarrenarbeit hierin ist einmal mehr von höchster Güte. Doch auch daneben zeigen sich diese sechs heidnischen Mannen aktuell mal wieder in umfassender Weise mit sehr erstaunlicher stilistischer Vielfalt.

Dabei dienen der erfreulich präzise aufspielenden Band auch rhythmischer und gesanglicher Variantenreichtum sowie allerlei atmosphärische Parts, eine Menge an epochal anmutenden Chor-Einlagen und diverse Folklore-Beigaben als ziemlich ergiebige Gestaltungsmittel. Immer, wenn Zagan sich mit seiner Violine lüstern vereint, bringt das auf „The Final Journey“ so einige wunderschöne Streicher-Passagen von ergreifender Natur mit sich.

Überhaupt, die eiserne Ruhrpott-Vereinigung legt innerhalb sämtlicher Stücke eine so vollkommene und authentisch anmutende emotionale Ausfächerung vor, dass es die reine Freude bei mir erzeugen kann. Abgeschlossen wird das insgesamt erbaulich homogen daherkommende, knapp über 55minütige Album durch die vierteilige, ebenfalls mit vielen epischen Variablen gestaltete „Naglfar“-Saga. Aufgeteilt ist diese Saga in die Song-Kapitel „Prologue - The Final Journey“, „Mother Hel“, „On Board“ und „Sailing Into Eternity“.

Nicht alles ist darin zu 100% gelungen, und teils scheint der erwünscht natürliche Fluss der eingebrachten Ideen etwas gestaut zu sein. Selbiges ist mir vereinzelt auch schon weiter vorne auf dem Langdreher aufgefallen. Aber hochgradig hörenswert ist das Dargebotene auch bei der „Naglfar“-Saga allemal. Und gerade hierin zeigt sich untrüglich und signifikant, dass der beständige Heidentrupp auch seine einstige Vorliebe für den intensiven Black Metal noch immer nicht verloren hat.

© Markus Eck, 06.03.2012

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