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Band: CELTIC FROST
Titel: Morbid Tales / To Mega Therion / Into The Pandemonium / Vanity / Nemesis
Genre: Thrash Metal
Label: BMG
Format: Album CD
Punkte: -- / 10

Ein Freudenfest für Nostalgiker. Mit den edlen Re-issues dieser im Original längst vergriffenen Dreher erhebt sich ein Teil des Vermächtnisses eines einst mächtig umtriebigen und überaus streitbaren Label-Protagonisten und Musikproduzenten: Karl-Ulrich Walterbach.

Mit seiner Berliner Tonträgerverlagsfirma Noise Records brachte der Mann einige Kulttruppen nach vorne, darunter vor allem Kreator, Running Wild, Coroner, Helloween, Tankard. Und eben auch die enorm einflussreichen, weil ebenso mutigen wie innovativen und unheilig-originellen Schweizer Thrash-Ikonen Celtic Frost. Hervorgegangen war die Band 1984 aus den weltweit nicht minder Kult-gleich verehrten Okkultisten Hellhammer.

Ebenso wie ihre britischen Kollegen von Venom sollten auch die Eidgenossen um den beileibe nicht immer einfachen Frontmann Thomas Gabriel Fischer alias Tom G. Warrior ganze Legionen von Black Metal-Formationen inspirieren.

Vier schwerwiegende und stabil in der Hand liegende Digibook-Editionen mit speziellen Remastered-Tracks gilt es angemessen zu rezipieren. Altmeister Warrior höchstpersönlich übernahm hierfür die Direktion in Sachen Konzept und Aufmachung.

Mit der EP „Morbid Tales“ debütierten die Eidgenossen sogleich 1984, die nun wie der Rest der Wiederveröffentlichungen inklusive Bonusmaterial und zusätzlichem Begleittext erworben werden kann. Und bis heute haben begeisternd räudige und köstlich verkommene Songklassiker wie „Into The Crypts Of Rays“ oder „Visions Of Mortality“ nichts von ihrem abartig perfiden Reiz verloren.

Eher pisst man wohl vom Baseler Roche-Turm zielgenau in eine goldene Hostienschale, als sich dem göttlich gegurgelten Vokalcharisma von Tom entziehen zu können.

Die diabolische Frontcover-Zusammenarbeit mit dem weltberühmten Landsmann und „Alien“-Skulp­teur H. R. Giger verschaffte den Verkäufen des 85er Debütalbums „To Mega Therion“ einen nicht geringen Schub. Celtic Frost, damit damals einer der härtesten Acts überhaupt, hatten ihren erhaben-kruden und kontrolliert rumpelnden Stil damit nun vollauf etablieren können.

Bekanntheit und Interesse für Noise Records wiederum wuchsen parallel turmartig an. Als 1987 die zweite Langattacke „Into The Pandemonium“ geritten wurde, hatten Celtic Frost auf breiter Ebene die jeweiligen Fronten außergewöhnlich polarisiert.

Hasser und Liebhaber konnten den riesigen Erfolg im medialen Wochentakt miterleben, Tom & Co. waren in wirklich allen damaligen Magazinen vollauf präsent.

So dermaßen avantgardistisch und einfallsreich - Gothic- und Darkwave-Elemente - gingen zu der Zeit äußerst wenige vor, daher übten Stil und Attitüde von Celtic Frost sogar noch gigantischeren Einfluss aus.

Interne Querelen führten zur Auflösung und angehängten Neuformierung, allerdings unter keinem guten Stern. Auf dem Zenit des eigenen Schaffens angelangt, floppte nachfolgend das 1988 auf den Markt gebrachte Albumdesaster „Cold Lake“ aufgrund unglaubwürdigem Abdriften in insgesamt sehr viel seichtere Gewässer. Der Ruf als satanisch geführte, dämonisch-besessene Höllenkrieger war damit natürlich komplett ruiniert.

Selbst mit dem 1990 nachgeschobenen, kalkuliert härteren, linientreueren „Vanity / Nemesis“ konnten die Züricher Populären nicht wieder an alte Höhen anknüpfen. Eine erneute Bandauflösung einige Zeit später kam erschwerend hinzu, es sollte nicht die letzte in der überraschungsreichen Laufbahn der experimentellen, wandelbaren und unberechenbaren Combo gewesen sein. Die Frühwerke stehen jedoch definitiv unleugbar über vielem, was der extreme Metal je hervorbrachte.

© Markus Eck, 13.06.2017

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