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Band: DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Titel: Der Rote Reiter
Genre: Heavy Metal
Label: Nuclear Blast
Format: Album CD
Punkte: 8 / 10

Ganz so kunstbetont und hochintellektuell wie auf dem 2014er Vorgänger „Tief.Tiefer“ galoppieren die Metal-Jockeys diesmal nicht ins Bewusstsein. Obwohl der neue Stoff auch erneut wieder weit aus der Reihe trabt.

Vor allem textlich geht es auf dem aktuellen Langspieler „Der Rote Reiter“ so philosophisch versiert zu, dass es mich oftmals markant an Lindemanns Rammstein-Lyriken erinnert. Die nachhaltig ergreifende Semiballade „Ich nehm dir deine Welt“ beispielsweise geht richtig heftig unter die Haut, sobald man sich erstmal so sehr in die Zeilen vertieft hat, dass man ‚versteht‘.

Auch die 12 anderen Nummern sind im Großen und Ganzen ‚archetypisch‘ für die Weimarer. Kraftvoll-routiniertes Gitarrenkönnen mit vielerlei frischen Finessen, das Beinpaar zahnstark packende Rhythmik, angenehm griffige Melodiespiralen, verspielt perlende Keyboardzuckerstücke (fulminantes Tastensolo in „Franz Weiss“!) und mittendrin ein positiv aufregender Fuchs am Gesangmikrofon: Hymnisch akzentuierte, überlegte und schonungslos kritische Reitermania as usual also, bewährtes Heavy Metal-Entertainment, das sich einmal mehr neu erfindet.

Zwischendurch wird auf „Der Rote Reiter“ immer mal wieder aufgelockert durch andächtig-ruhigere, erfolgreich besinnende Passagen. Der mächtig marschierende, bullig getaktete und prophetisch inszenierte Titelsong wird im im Gegensatz zum sonstigen Material in rabiater Grummelmanier gekehlt, wofür die gesamte Band auf der Bühne viel Ausdauer mitzubringen hat.

Sturmgepeitschtes Seemannsflair setzt der partiell speedige Midtempobrecher „Brüder auf Leben und Tod“ frei, erinnert mich ebenfalls an Rammstein. Ein relevantes Stichwort: Während letztere für meinen persönlichen Geschmack nach „Reise, Reise“ jährlich inhaltsleerer, begeisterungsloser und vor allem Business-geprägter wurden, da dürfen Die Apokalyptischen Reiter doch gerne auch ein gutes, schwermetallisches Stück näher an das NDH-Populär-Areal heranrücken.

© Markus Eck, 07.08.2017

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