SORGSVART
„Vikingtid Og Anarki“
(Einheit) 9/10
Wer bereits gemeint hat, dass dieser gleichsam stolze, aufmüpfige und erz-sozialkritische
Norweger mit Künstlernamen Sorg sein heidnisches Schwarzpulver mit dem
ersten Studioalbum „Fortapt Fra Verden I Vakkert Selvmord“ schon gleich restlos
verballert hat, der soll sich wirklich gründlich getäuscht haben.
Denn was der bekanntermaßen extrem querköpfige und nicht zuletzt
wohl genau dadurch letztlich musikalisch so immens talentierte Nordmann mit
der rebellischen Attitüde auf dem neuen Schwarzseelen-Werk „Vikingtid Og
Anarki“ abliefert, ist ganz einfach gesagt absolut vorzügliches Spitzenmaterial.
Mit spürbar entschlossen beherzter Grimmigkeit dargeboten wird erneut großepischer,
stark hitverdächtiger und (zu)packend hymnischer Viking Folk Black Metal
der absolut opulent eingängig melodisierten Ausprägung. Trotz aller
beißfreudigen Attitüde eben berauschend ästhetisches Liedgut
mit latent sehnsüchtiger Anmut, wie man es in dieser meisterlichen und
inbrünstigen Art und Weise wohl nur von Meister Sorg höchstpersönlich
zu hören bekommt. Und die ohnehin schon zuvor auf „Fortapt Fra Verden I
Vakkert Selvmord“ so sehr ausgeprägte majestätisch-triumphale Komponente
wurde für „Vikingtid Og Anarki“ sogar noch einmal zusätzlich hochgeschraubt.
Munter machendes Resultat sind verzaubernd zeitlose Ausnahme-Kompositionen,
denen allesamt ein künstlerisch jederzeit hochgradig faszinierendes Eigenleben
innewohnt.
Ergötzlich Ekstatisches und rabiat Aufbrausendes kombiniert der merklich beflissen agierende Urheber mit dem kleinen Gesellschaftsverständnis und dem großen Herzen perfekt platziert und immer gekonnt mit ausgleichend atmosphärischen Passagen oftmals geradezu hypnotischer Klangnatur. Ein Faszinosum: Hört man sich all die erhebend feierlichen und nicht selten jauchzend jubilierenden Notenkünste auf „Vikingtid Og Anarki“ in entsprechend zugetaner Stimmung an, verhilft das clever umgesetzte Naturverehrer-Werk dem Hörergeist glatt zu herrlichen Höhenflügen. Nicht gerade geringen Anteil daran hat wieder das auch hier wahrlich omnipräsente Stromklavier, welches so dermaßen verzückt und zweckdienlich geschickt malträtiert wird, dass es in Sachen Stimmungserzeugung halt unweigerlich ansteckend auf das Gemüt wirkt. Vereinzelt hört sich die seelig machende Tasten-Klimperei gar an wie ein altertümliches Cembalo. Der exquisit auserlesene und mannigfaltig kultivierte Folklore-Anteil auf „Vikingtid Og Anarki“ ist ebenfalls vom Allerfeinsten, was man in diesem Metier wohl überhaupt kennt. Derart inniglich historisch orientiert musizieren eben nur auserwählte Genre-Repräsentanten. Und unser guter Gevatter Sorg ist einer davon. Definitiv. Wem diese Scheibe also nicht gefällt, der hat kein Herz im Leib.
© Markus Eck
(21.09.2007)