URSCHREI
„Heidenzorn“
(Asatru) 8/10
Im heidnisch thematisierten Black Metal wird man bekanntlich seit der damaligen
herrlichen Aufbruchsstimmung innerhalb dieser Subkategorie nicht mehr allzu
oft mit formidablen Gitarrenkünsten verwöhnt – aber nicht nur von
daher sind mir diese spielfreudigen Gesellen hier mit ihrem facettenreichen
Erstwerk mehr als willkommen. Der musikalisch sehr ergiebige „Heidenzorn“ von
Gitarrist und Grollbarde Felix, Tieftoner Philipp samt Schlagwart und Taktvariantenliebhaber
Andreas entlädt sich in sechs höchst abwechslungsreichen Kompositionen.
Sechs erzgrimmige Lobpreisungen altheidnischer Werte und Tugenden, deren Titel
schlagartig einigen Einblick in den geistigen Kosmos der Urheber preisgeben:
„Ankunft“, „Urtrunk“, „Utgards Feuer“, „Malleus Maleficarum“, „Heidenzorn“ und
„Heimkehr“ benannt, bieten diese sechs Stücke sowohl adäquat ausgereiztes
Talent als auch immense Hingabe zur Musik an sich. Klingt gut? Tut es auch!
Und das ebenso überraschend wie gut: Denn vereinzelt kommen hier sogar
auch devote Jünger des Bereichs Old School Heavy Metal zum Zuge, denn Urschrei
beziehungsweise Griffbrettstreiter Felix hantieren gekonnt mit hochgradig genussvoll
tradierten Gestaltungselementen aus diesem Metier.
Neben all den fesselnden Tonleiterexkursen bestechen mich dabei vor allem die wirklich extrem häretisch und oberbissig anmutenden Kehlenmasochismen von Saitenschrubber und Frontmann Felix. Riesengroßer Wert wird neben allerlei ergötzlich altmystischen Stimmungen von den drei begabten Urschreiern auf der Scheibe auch auf hypnotische Atmosphären gelegt. Demnach folgen der mit Tastenklängen inszenierten Introduktion „Ankunft“ auch im weiteren Geschehen immer wieder solcherlei vollmelodisch ausarrangierte Epiken. Die fünfte Heidenweise, also das Titellied, beginnt gar mit anmutigem Akustikgitarrenintermezzo samt heroisch phrasiertem Klargesang – alles sehr stimmig und gefühlvoll, doch alsbald keift und wütet sich wieder Zornmeister Felix mit seinem viehischen Organ zwischen dröhnenden Stakkati und schwersten Takten nach vorne durch. Nach knapp einer halben Stunde höchst ereignisreicher Spieldauer ist die belebend erfrischende Vorstellung des verschworenen Teutonentrios vorbei, und ich bin zutiefst zufrieden ob des Gehörten.
© Markus Eck
(01.04.2009)