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Special: Illusions • 1995
Titel: Globale Ausbreitung

Bis Mitte der 1990er Jahre ging es bemerkenswert flott bei Crematory voran. Wiederum ein Jahr später konnte die rasant aufsteigende Erfolgsband nach dem 1994 auf den Markt gebrachten „…Just Dreaming“ mit dem dritten Album „Illusions“ schon den nächsten Longplayer vorlegen.

Sämtliche Merkmale, Stärken und Vorzüge wurden hierfür massiv gebündelt, ohne aber eine erneute Weiterentwicklung zu unterschlagen.

Der musikalische Härtegrad wurde zugunsten einer stimmungsvolleren Ausrichtung gedrosselt, was vor allem atmosphärischen Wonnen viel freieren Auslauf ermöglichen konnte.


„,Illusions‘ war und ist immer noch eines der erfolgreichsten Alben in der gesamten Crematory-Historie“, freut sich Schlagzeuger Markus Jüllich. „Und mit dem Song ,Tears Of Time‘ haben wir einen Hit geschrieben, welchen wir noch heute bei jeder Show spielen müssen. Das Stück ist live einfach ein dauerhafter Renner“, so schwärmt der wuchtige Rhythmusmeister aus voller Seele über den geglückten Songwriting-Volltreffer.

„Wenn wir diesen Song nicht spielen würden, dann würden uns die Fans auf der Bühne killen! Das Lied ist sowieso mein ewiger persönlicher Favorit auf dem Album.“

Er selbst war zum damaligen Zeitpunkt 24 Jahre alt, was stets so einige gute Erinnerungen in ihm wachrufen kann.

„Mit diesem Album schafften wir den weltweiten Durchbruch. ,Tears Of Time‘ war auf über 1.000 Samplern weltweit vertreten und das Video dazu lief in ,Heavy rotation‘-Manier auf allen Musiksendern weltweit.“

Die Kompositionen schätzt der Bandleader im direkten Vergleich mit den ersten zwei Crematory-Longplayern wie folgt ein:

„,Illusions‘ ist eine Weiterentwicklung der ersten beiden Platten. ,Illusions‘ passte zu den Vorgängeralben. Und auch auf diesem Album blieben wir unserer Richtung treu und packten mit ,Tears Of Time‘ eben den Hitfabrik-Hammer aus, der uns Tür und Tor der weltweiten Metal- und Gothic-Presse und natürlich auch bei den Fans öffnete.“

Es zeichnete sich damit deutlich ab: Crematory sind seit jeher als eine außergewöhnlich wandelbare Künstlervereinigung am Werk.

Fans und Fachmedien reagierten auf „Illusions“ viel besser als auf die Vorgängeralben, so Markus.

„Nun konnte uns die Presse ganz einfach nicht mehr wie bislang ignorieren oder belächeln. Denn wir hatte unsere Daseinsberechtigung mit zahlreichen Plattenverkäufen und einer Menge Fans auf der ganzen Welt.“

Diese Platte kam weltweit überall fast gleich gut an, so informiert der Erfahrene und nennt respektable Zahlen. „,Illusions‘ verkaufte damals auf Anhieb im ersten Jahr fast 50.000 Einheiten und liegt mittlerweile bei fast 150.000 verkauften Einheiten.“

Er selbst hört sich die Scheibe bis heute noch immer wieder sehr gerne an, wie er wissen lässt. „Denn diese Platte hat einen ganz besonderen Spirit für mich. Ich finde darauf selbst nach all den Jahren noch alles richtig top! Und Schwachstellen kann ich keine nennen.“

„Illusions“ drang tatsächlich erneut noch durchdachter, kompositorisch ausgefeilter und umfassend tiefgründiger in die Ohren als die beiden ersten beiden Crematory-Veröffentlichungen. Markus nennt die primäre Ursache: „Wir hatte für das Album ganze drei Monate Studiozeit und deshalb ausreichend Zeit um ausreichend zu produzieren und zu probieren, bis die Aufnahmen unserer Meinung nach perfekt waren.“

Produziert wurde auch dieses Album von Band-Intimus Gerhard Magin in dessen Commusication Studios. „In den drei Monaten vorhandener Studiozeit haben wir restlos alles aus uns rausgeholt, was möglich war, um so eine geile Platte zu machen.“


Das Songwriting lief insgesamt wie bisher auch schon ab.

„Wir konnten allerdings von einer gewissen Vorerfahrung profitieren. Geschrieben wurden die Stücke also erneut von unserem alten Gitarristen Lotte in Verbindung mit uns allen. Die Zusammenarbeit der Members dafür war gänzlich grandios! Wie immer hatten wir sozusagen Hand in Hand zusammengearbeitet. Und es gab dabei grundsätzlich keine nennenswerten Unterschiede von der Zeitdauer her, denn wir haben an jedem Song einfach so lange gearbeitet bis er für uns perfekt war.“

Die Lyriken waren wieder das Resultat der alleinigen Arbeit des Kehlenboliden Felix.

Dazu befragt, ob er einen ganz persönlichen Lieblingstext auf der Scheibe hat, der ihn auch heute noch berühren kann, platzt es aus Markus impulsiv heraus: „,Tears Of Time‘ natürlich!“ 


Bands, von denen sich die Baden-Württemberger Düstermetaller für ihren dritten Langdreher am deutlichsten beeinflussen ließen, nennt der Trommler mit präziser Rückerinnerung:

„Type O Negative, Tiamat, Paradise Lost, Pavlov‘s Dog und Jean Michel Jarre.“

Der Death Metal-Anteil auf „Illusions“ ist noch mehr reduziert worden, während atmosphärisch-verspielte Keyboards und die obligatorischen Gothic-Elemente breiteren Spielraum erhielten.

„Die Keys wurden bei Crematory immer wichtiger. Die Synthesizer übernahmen nun die Hooklines der Refrains und machten fette atmosphärische Stimmung auf der Platte.“

Obwohl sich das abstrakt illustrierte Frontcover der Scheibe mit all den goldenen Farbtönen doch sehr von den Hüllenbildern der ersten beiden CDs abhebt, wurde es dennoch ebenfalls wieder vom gleichen Maler Herrmann Hoormann angefertigt, stellt Markus noch klar.

Insgesamt ist er der Überzeugung, dass „Illusions“, vor allem eben mit dem Song „Tears Of Time“ das wichtigste Album in der Crematory-Ära war und immer noch ist. „Denn damit schafften wir schließlich den weltweiten Durchbruch.“

© Markus Eck, 25.05.2016

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