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Special: Markus Jüllich
Titel: Beständig im Wandel

Anfang 1991 zogen sie den Abzug der eigenen Startknarre. Es knallte dabei laut für eine der beständigsten und erfolgreichsten Gothic Metal-Repräsentanten aus deutschen Landen überhaupt.

Und was mit reizvoll atmosphärisch geschmiedetem Todesblei den Anfang nahm, das mutierte im Verlauf der außerordentlich bewegten Bandhistorie zu einer immer vielschichtigeren und breiter angelegten Mixtur. Im Kern blieben sich Crematory trotz diverser Modifizierungen treu, was die hohe Popularität der Rheinland-Pfälzer im Genre konstant bleiben ließ.


Kesselwart und Allroundtalent Markus Jüllich ist definitiv für das Schlagzeugspielen geboren worden. Und wie der Mann offenbart, hat er hat seine Leidenschaft für Musik bereits schon mit zarten sechs Jahren entdeckt, als er sein erstes Kinderschlagzeug bekam.

„Zuvor habe ich immer auf Kochtöpfen herum getrommelt, wenn ich Musik im Radio gehört habe“, verkündet er schmunzelnd.


Zuerst waren es Acts wie The Teens und Nena, die Markus näher wahrnahm, wie er sich entsinnt.

„Später interessierte mich dann Billy Idol mit ‚Rebel Yell' und primär die Musik der 80’s, die aber eigentlich eher an Synthesizern orientiert war. Danach kam dann der Metal mit Lars Ulrich von Metallica, Michael ‚Nicko‘ Henry McBrain von Iron Maiden und Dave Lombardo von Slayer.“

Zum ersten Mal so richtig tief mit harter Musik in Kontakt gekommen ist Markus im Alter von 16 Jahren.

„Da hatte ich als erste Metalplatte überhaupt die ‚Master Of Puppets‘ von Metallica gehört und war davon sogleich vollauf begeistert. Dies war für mich der Metal-Einstieg als Schlagzeuger. Denn Metal zu trommeln fand ich sehr viel geiler als jahrelang zuvor den Rock- und Popkram zu spielen.“

In seinem Jugendzimmer wurden demnach natürlich auch Poster von Größen wie Metallica, Anthrax, Slayer, Testament, W.A.S.P., Manowar, Helloween, Ratt, Iron Maiden usw. aufgehängt, so der leidenschaftliche Stockschwinger.

Das begeisterte damalige Feeling über die Musik anderer Bands hat der Crematory-Schlagwerker im Laufe der Jahre jedoch eher besonnener erlebt, wie er konstatiert.

„Und das liegt hauptsächlich daran, dass ich mittlerweile wesentlich weiter als damals bin und meinen eigenen Stil gefunden und entwickelt habe.“

Was musikalisch vorhanden sein muss, damit ihn ein Song von einer anderen Band vollauf begeistert, das kann Markus nicht pauschal sagen.

„Denn entweder ein Song berührt mich direkt oder es wird nichts. Wenn ich das Rezept wüsste, dann würde ich ja nur noch Hits schreiben und hieße Dieter Bohlen.“

Das allererste Konzert, dass ihm als Besucher die pure Aufregung ins Bewusstsein knallte, war bei den Kult-Thrash Metallern Sodom. „Da stand ich in erster Reihe mit 16 Jahren und ich wusste nicht was da auf mich zukommt. Bis ich es dann bereits nach einigen Minuten erlebt habe. Ein unvergesslicher Moment für mich.“

Prägend sozialisieren konnte den seit jeher sehr selbstsicheren Trommler allerdings keine einzige Band, wie er eindeutig klarstellt.

„Da passierte überhaupt nichts in mir, denn die Songtexte haben mich noch nie so wirklich interessiert.“

An positiven Überraschungen von einst gemiedenen Kapellen hatte der geschmacklich Gefestigte ebenfalls nie Interesse.

„Denn entweder gefällt mir eine Band gleich oder gar nicht.“


Jeder einzelne Musiker von Crematory hat sowieso schon immer seinen ganz eigenen Musikgeschmack gehabt, so Markus.

„Und die Einflüsse jedes Einzelnen von uns haben die Musik von Crematory geprägt. Für mich waren schon immer Schlagzeuger wie Lars Ulrich, Dave Lombardo oder Gene Hoglan Vorbilder, an denen ich mein Drumming orientiert habe. Jede Band, die ich privat gehört habe, hat mich irgendwie beeinflusst und auch Elemente aus deren Songs in verschiedenen Crematory-Songs widerspiegeln lassen. Drummer, die ich sogar eindeutig als Idole titulieren würde, sind für mich Gene Hoglan und Lars Ulrich.“

Von den Death Metal-Bands, die Crematory einst massiv inspirierten, findet der wuchtige Fellverdrescher auch heute noch diverse ebenso gut wie hörenswert. „Obituary, Bolt Thrower, Unleashed, Grave, Entombed, Morbid Angel und so einige mehr.“

Doch büßten frühe Einflussgeber im Laufe der Jahre an Wirkung ein.

So geriet die Musik seiner Combo stetig eigenständiger, was die anfänglichen Death Metal-Wurzeln mehr und mehr aus den Kompositionen weichen ließ, erzählt Markus.

„Denn die Synthesizer und Keyboards wurden mit dem Begriff Gothic Metal immer prägnanter und das Schlagzeug wurde banddienlicher. Das wilde Metal-Gedonner wich eingängigem und fettem Drumming.“

Markus ist ohnehin der Ansicht, wie er ergänzt, dass jeder Musiker von irgendwelchen anderen Bands oder Musikern beeinflusst ist.

„Denn es sind alle Noten geschrieben und es kommt jetzt nur noch auf deren Anordnung an, um gute Lieder zu produzieren.“


© Markus Eck, 03.07.2016

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