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Interview: BEHEMOTH
Titel: Würdigender Verbindungsgang

Als Adam Michał „Nergal“ Darski 1991 in Danzig seine eigene Schwarzstahlcombo zunächst unter dem Banner Baphomet gründete, stand der junge Nachwuchskünstler wie so viele andere seiner Zeit und Zunft schwer unter dem sinistren Einfluss von Genrelegenden wie Venom, Samael, Celtic Frost inklusive Hellhammer und Bathory.

Für die frühen Tiamat und Morbid Angel konnte er sich gleichfalls zutiefst begeistern - den bösen Rest gaben ihm finsterste Chaosknüppler wie Beherit und Blasphemy.



Und exakt dieser für ihn prägenden Zeit entsinnt sich Großvisionär Nergal heuer und veröffentlicht mit Behemoth acht bisher unveröffentlichte Lieder. Wer dabei nun auf gänzlich Neues aus der Feder der eigenwilligen Gildegiganten hofft, wird sich umorientieren müssen:
„I, Scvlptor“ betitelt, schlägt diese gewissermaßen als „Zeitreise-Release“ zu erachtende Extreme-Metal-Packung eine weite - nostalgische - Brücke von den ersten Anfängen bis zur gegenwärtigen musikalischen und thematischen Version der höchst angesehenen Band. 


Die titelgebende und intensive Single „I, Scvlptor“ ist laut Statement des unheilig riffenden und oral beschwörenden Masterminds ein brandneuer Song von Behemoth, der in der Tradition monumental aufgebauter Stücke wie „O Father O Satan O Sun!“, „Lucifer“ oder „Nieboga Czarny Xiądz“ steht und der gleichzeitig auch ein interessantes neues Kapitel aufschlägt.

„Der Song besitzt diese ganz gewisse epische, imposante Wucht, er nimmt aber auch eine unerwartete Wendung, die ihn sehr frisch werden lässt und damit von den vorherigen Kompositionen unterscheidet.“

Textlich stellt „I, Scvlptor“ eine findig erdachte Metapher für den endlosen Prozess der Selbstgestaltung dar, so ist vom Schöpfer zu erfahren – zu einem ungleichen Kampf mit der Materie und dabei mitwirkenden persönlichen Grenzen. Nergal: 



„Das eigentliche Paradoxe daran ist, dass wir wie alle Lebewesen auf dieser Welt ja genau genommen vom allerersten Moment unserer Geburt an bereits zum Sterben vorherbestimmt sind … vielleicht geht es also im Grunde gar nicht um den vermeintlichen Sieg an sich, sondern um den ständigen Akt der Gestaltung dessen, wer wir in Wirklichkeit sind. Ich sinniere und philosophiere anhaltend gerne über diesen Kontext.“

Zum Titeltrack haben die polnischen Vorreiter am 19. Juni auch ein visuell gleichfalls eindringliches wie verstörendes Musikvideo präsentiert.

Für den Verfasser, seines Zeichens bereits seit dem Debütalbum getreuer Behemoth-Rezipient, sind darüberhinaus besonders zwei Nummern ganz besonders attraktiv und aufschlussgebend auf der neuen Werkschau:
„Rise Of The Blackstorm Of Evil“, original auf dem kultigen 1993er Demo „The Return Of The Northern Moon“ zu hören, sowie „In Thy Pandemaeternum“. Letzterer Track entstammt dem - zwei Jahre vor der Jahrtausendwende rebellisch hinaus katapultierten - Album „Pandemonic Incantations“. Beide wurden neu aufgenommen und mit aktualisiert aufgepäppeltem Sound versehen.“

Nergal: „Und es wurde betont Wert darauf gelegt, dass sie dabei ihren ursprünglichen, einzigartigen Geist bewahren. Konzipiert sind diese arbeitstechnisch aufwendig umgesetzten Lieder als eine ehrfürchtige und wertschätzende Hommage an diejenigen für mich immer bedeutenden und wichtigen Bands, die einen sehr großen Einfluss auf Behemoth hatten.“

Im Weiteren sind das Venom-Cover „In League With Satan“ - mit Shagrath von Dimmu Borgir - und Bathorys berühmter Smasher „The Return Of Darkness And Evil“, wobei Sakis Tolis von Rotting Christ mitmischt.

Dass der aktuelle Release für ihn mindestens ebensolche Bedeutung hat wie ein reguläres Studio-Vollwerk, stellt der Freigeist noch eindeutig klar.

„Wir freuen uns in der Band allesamt bereits wirklich riesig auf die ersehnte Veröffentlichung von ‚I, Scvlptor‘. Auch wenn es kein ‚normales‘ Studioalbum ist, sondern eher eine behutsam erlesene Zusammenstellung verschiedener Schaffensperioden, macht allein die Tatsache, dass Stücke mit von der Partie sind, die überhaupt noch niemand zuvor gehört hat, diese Veröffentlichung für uns zu etwas ganz Besonderem.“

Außerdem, so wird ergänzend postuliert, unterscheiden sich einige der Tracks wahrscheinlich schon ein wenig von dem, was Behemoth auf dem letzten Album ‚The Shit Ov God‘ im letzten Jahr so präsentiert haben.

„Deshalb betrachten wir ‚I, Scvlptor‘ als relevantes Album – sozusagen auch als Bindeglied, als stabile Brücke zwischen dem, wo wir jetzt momentan stehen, und dem, was auch immer in ferner Zukunft so von Behemoth kommen mag.“

Im Oktober 2026 gehen die osteuropäischen Extreme-Metal-Kaiser - zusammen mit Dimmu Borgir - zudem auf große Europa-Tour.

© Markus Eck, 11.08.2026

Photo Credit: Grzegorz Gołębiowski

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