
| Interview: | CREMATORY |
| Titel: | Reichlich Lieder, eine Attitüde |
Im Mai und Juni 2025 gerieten die privaten Geschicke von Schlagzeuger Markus Jüllich in riesengroße Sorge und ebenso große Aufregung, als nach dramatischer Notarzt-Einlieferung - Verdacht auf Herzinfarkt! - im Krankenhaus festgestellt wurde, dass seine Herzklappe so gar nicht mehr klappte.
Mittels anschließender Operation und damit einhergehender Reha sah sich das unermüdliche Arbeitstier zu einer sommerlichen Auszeit gezwungen, welche von dem Erfolgsmenschen jedoch gewohnt frohgemut gemeistert wurde. So grinste der gewichtige Stockmeister nur einige Tage später in sozialen Medien vom Krankenbett aus pfiffig mit gepostetem Dank für zahlreiche Gesundheits- und Glückwünsche zum „sensationellen Platz acht in den einheimischen Top Ten der Albumcharts!“.
Schließlich erschien kurz davor Anfang Mai noch „Destination“, das 17. Studioalbum der beständigen Baden-Württemberger. Crematory mussten im Weiteren umständehalber die Album-Tour abbrechen, was die Band nun 2026 entschlossen nachholen wird, ver- und bestärkt durch ihren neuesten Release im Rücken: Dem umfangreichen Package „Greatest Hits - English Hymns & Deutsche Hymnen“.
„Ja - Gott sei Dank ist mittlerweile wieder alles gut“, so informiert Markus in aller möglichen neuerlichen Leichtigkeit. „Es war aber schon echt sehr knapp und insgesamt eine wirklich schwere Zeit für mich. Ich bin dem Teufel sozusagen gerade nochmal so von der Schippe gesprungen. Ich glaube ich werde noch gebraucht und der liebe Gott hat auf mich aufgepasst! Ich bin soweit wieder fit und arbeite gerade an meiner Ausdauer und Kraft damit ich für die ‚Greatest Hits‘-Tour im Mai wieder so fit als möglich bin.“
Direkt gefragt, ob er das Rauchen jetzt komplett aufgegeben hat, grinst der trommelnde Filou zunächst einmal sekundenlang liebenswert schelmisch ab.
Wie jetzt? Also n-i-c-h-t strengste Diät, einzig Wasser und Tee sowie null Zucker etc.? Der Genesene windet sich ein wenig, um dann zuzugeben:
„Nun, nicht ganz so - aber ich musste mich schon umstellen und disziplinieren damit alles wieder gut wird.“
Ja, die eigenen Gewohnheiten, wer kennt derlei Hürden nicht selbst in sich?
35 - fünfunddreissig - echt sagenhafte Jahre mit Crematory liegen hinter ihm. Da gehen die Augen des Kesselwartes ruckartig sperrangelweit auf:
„Ja, unglaublich! Das hätten wir uns nie erträumt als wir 1991 angefangen hatten. Ein Traum wurde wahr!“
Den herzlichen Glückwunsch zum kommenden, inhaltsstarken Best-Of-Release nimmt der passionierte Drummer nicht minder bescheiden entgegen. Ihm dabei erfragend genannte Befindlichkeiten wie berührt nostalgisch, höchst respektvoll bis spannend zukunftsvisionär nickt Markus allesamt eindeutig ab.
„Fest steht nach wie vor: Was wir mit Crematory erreicht haben, das verdanken wir alles unseren treuen Fans die uns seit Jahrzehnten unterstützen. Dafür sind wir sehr dankbar, denn wir durften und dürfen mit der Band immer noch Dinge erleben von denen andere nur träumen können.“
Vom damals zeitgemäßen Death Metal zu Anfang der 90er mit vollmelodischen Keyboard-Pioniertaten, weiter in Richtung Gothic- und später auch noch Industrial Metal mit haufenweise rockigen, modernen etc. Nuancen, Crematory preschten schon immer gerne ungewöhnlich nach vorne. Da durfte dann auch irgendwann der Wechsel aus Growls und klarem Gesang nicht fehlen, mitsamt Zweisprachigkeit in den Lyrics. Man möchte fast meinen, die Formation hat die berühmten „Pfälzer Erfindergene“ im Blut.
„Ja, wahrscheinlich! Wir haben uns von Album zu Album weiterentwickelt und auch ab und zu mal ein paar Experimente gewagt, die aber alle hervorragend funktioniert haben. ‚Abwechslung aber kein Stilbruch‘, das war immer unsere Devise.“
Der Titel „Greatest Hits - English Hymns & Deutsche Hymnen“ spricht schon mal (s)eine deutliche „Sprache“. Das Ganze kommt als prall gefüllte Special Edition - so gibt es ein auffällig visualisiertes 3-CD-Digipak nebst diversen Vinyl-Varianten.
„Die Idee hatte ich bereits vor fünf Jahren zum 30-jährigen Bandjubiläum aber da hatten wir dann das blöde Corona-Virus überall und konnten somit nicht ordentlich mit begleiteten Konzerten feiern - deshalb machen wir das jetzt einfach fünf Jahre später. Das Konzept habe ich mit der Plattenfirma zusammen ausgearbeitet und bin sehr stolz auf das Resultat – gefällt mir echt gut!“
Apropos Gigs, Crematory werden die letztes Jahr abgesagten Termine spielfreudig nachholen und sie haben gleich auch noch einige Clubshows dazu gebucht, so Markus, bevor es dann auf die Festivals geht!
„Wacken werden wir auch dieses Jahr spielen. Bereits zum zehnten Mal - und wir feiern gemeinsam 35-jähriges Jubiläum. Mehr geht nicht!“
Die Zusammenstellung all der enthaltenen Lieder und jeweiligen musikalischen Stile war sicher eine Aufgabe für sich - oder?
„Eigentlich nicht, denn wir haben die jeweiligen Hits von jedem Album genommen, die wir heute auch noch live spielen und die unsere Fans hören wollen.“
Doch es gibt darauf auch etwas gänzlich Neues, nämlich vier neue, exklusive Bonus Tracks wie „Born“, spannend!
Der Stockschwinger freut sich übers ganze Gesicht: „Da haben wir mal noch schnell mal vier geile neue Songs rausgehauen, die auch auf der ‚Destination’ Platte hätten sein können. Einfach nur fette und geile Nummern!“
Die Bandchemie ist auch 2026 hervorragend, so ist vom leitenden Ober-Crematorianer und erfahrenen Gruppensprachrohr zu erfahren. „Wie gewohnt! Unser neuer Basser Olli hat sich rasch hervorragend integrieren können und wir haben Spass zusammen, was für uns das Allerwichtigste ist.“
Oft ist inmitten immer präsenter werdender Smartphone-Zeiten vom Verfall der Begeisterung in diversen Musikgenres zu lesen - auf die Frage, ob „Destination“ seiner Meinung nach angemessen bzw. fair von Fans und Musikmedien aufgenommen bzw. rezensiert wurde, bläst der Boss erstmal die oberen Backen auf. Unverblümtheit in Reinform: „Rezensionen gehen mir am Arsch vorbei! Wichtig ist mir vielmehr, wie die Fans, die uns seit Jahrzehnten unterstützen, unsere Songs finden. ‚Destination’ auf Platz acht in den deutschen Charts, das sagt doch alles!“
Auf seine persönlichen Song-Favoriten bzw. ihm thematisch sehr wichtige Songs auf dem neuen Best-Of-Release angehauen, kommt eine kurze und bündige Antwort.
„Ich habe drei Faves in der gesamten Tracklist - ‚The Future Is A Lonely Place‘ ist wirklich mein absoluter Lieblingssong neben ‚Destination‘ und „Welt aus Glas’.“
© Markus Eck, 01.05.2026
Photo Credit: Ingo Spörl
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