
| Interview: | DIVISION:DARK |
| Titel: | Spannungsstarke Impulse |
Beflügelnd (atmo)sphärischer, weil inspirierend modern-visionärer Cinematic Industrial Metal mit griffigen Electronic-Verführungskünsten mitsamt scharfen Dark-Rock-Höhenflügen ist das Pläsier dieses geheimnisvollen Künstlerkollektivs, welches wieder mit einem spannenden Konzept am Werk ist.
Der neue Longplayer „The Eternal Baptism“ führt nach dem Debütalbum „Prophecy“ die eindringlich dystopische (SciFi)Mythologie der anonymen Formation in beachtlicher Konsequenz weiter - thematisches Kernthema darauf ist die Idee einer spirituellen Wiedergeburt der Menschheit.
Nach „Prophecy“ war es der Band zunächst wichtig, so offenbart Keyboarder Synthax, Künstlerbeiname „Der Visionär Δ“, nicht einfach unmittelbar das nächste Kapitel hinterher zu schieben.
„Das Album hatte eine sehr intensive Entstehungsphase, und es war wichtig, sich bewusst die Zeit nehmen, herauszufinden, wohin sich Division:Dark musikalisch und konzeptionell weiterentwickeln sollte. In den Jahren danach ist deshalb vieles im Hintergrund passiert. Neue Songs wurden geschrieben, Ideen verworfen, Strukturen verändert und vor allem sehr viel am Sound gearbeitet. Dabei wurde relativ schnell deutlich, dass wir ‚Prophecy‘ nicht einfach wiederholen wollten. Die elektronischen Elemente rückten stärker in den Vordergrund, die Produktion wurde moderner und zugleich atmosphärischer, während die emotionale Seite der Lieder für uns noch wichtiger wurde. Gleichzeitig war diese Zeit auch von Veränderungen geprägt. Viele der Themen des neuen Albums – Identität, Kontrolle, Erinnerung, emotionale Abhängigkeit und die Frage, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn immer mehr von außen bestimmt wird – sind nicht zufällig entstanden. Rückblickend würden wir die Zeit seit ‚Prophecy‘ deshalb weniger als Pause bezeichnen, sondern eher als eine lange Transformation. ‚Prophecy‘ war ein wichtiger Ausgangspunkt, aber ‚The Eternal Baptism’ fühlt sich für uns heute wie die konsequentere und wesentlich klarere Form dessen an, was Division:Dark eigentlich sein soll. Die Frequenz war nie verschwunden. Sie musste lediglich neu kalibriert werden.“
Die Reaktionen auf das künstlerische Schaffen waren bislang überwiegend sehr positiv, wie zu erfahren ist.
„Besonders freut uns, dass häufig nicht nur die Musik an sich wahrgenommen wird, sondern auch das Konzept, die visuelle Ebene und die Idee hinter Division:Dark. Genau diese Verbindung war für uns von Anfang an wichtig. Ob wir uns vollständig ‚verstanden‘ fühlen, ist allerdings eine andere Frage. Division:Dark ist bewusst so angelegt, dass nicht alles erklärt oder eindeutig aufgelöst wird. Manche sehen zunächst die Masken und die dystopische Ästhetik, andere beschäftigen sich intensiver mit den Themen dahinter – Identität, Kontrolle, Technologie und dem zunehmenden Verlust von Individualität. Wir müssen dabei nicht von jedem vollständig verstanden werden. Im Gegenteil: Wenn unsere Musik und die imaginäre Welt darum herum Fragen auslösen und Raum für eigene Interpretationen lassen, hat die Übertragung funktioniert. Die Quelle ist irrelevant. Entscheidend ist, was beim Empfänger ankommt.“
Im Kern lebt Division:Dark vom Zusammenspiel aus Härte, Elektronik, Melodie und einer starken emotionalen Ebene. „Ja, absolut, wir verbinden Metal mit elektronischen und düsteren Klangwelten, ohne uns dabei zu sehr an Genregrenzen zu orientieren. Entscheidend ist für uns immer die Atmosphäre und das Gefühl, das ein Song transportiert. Darüber hinaus verstehen wir Division:Dark nicht nur als Band, sondern als Gesamtkonzept. Musik, Texte, Masken, visuelle Ästhetik und die dystopische Welt dahinter gehören zusammen. Themen wie Identität, Kontrolle, Technologie und der Verlust von Menschlichkeit ziehen sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit. Wer sich darauf einlässt, entdeckt hinter der Oberfläche eine zweite Ebene. Division:Dark soll nicht alles erklären – sondern etwas auslösen.“
Es fühlt sich für die Musiker aktuell an, so sagt Synthax, als hätten sie sehr lange auf genau diesen Moment hingearbeitet. „‚The Eternal Baptism’ war über Jahre etwas, das nur innerhalb unseres Systems existierte – jetzt steht die Übertragung unmittelbar bevor. Dabei verstehen wir die Taufe nicht als Reinigung, sondern als Übergang: Etwas Altes endet, etwas Neues beginnt. Ab dem zweiten Oktober verlässt das Signal seine Quelle. Was danach damit geschieht, liegt nicht mehr in unserer Kontrolle. Die Taufe beginnt erst mit dem Empfang.“
Die Band-Zusammenarbeit bzw. „Verbindung innerhalb des Systems“, wie es vom Gegenüber benannt wird, war für die Beteiligten diesmal stärker denn je.
„Die Richtung war klar definiert, das Signal präzise ausgerichtet. Dadurch konnten wir sehr fokussiert arbeiten und jeden Impuls zu einer gemeinsamen Frequenz bündeln. Es gab ein klares Ziel: ‚The Eternal Baptism’ sollte keine Fortsetzung werden, sondern der nächste Evolutionsschritt von Division:Dark. Und genau dieses Ziel wurde von Anfang bis Ende konsequent verfolgt.“
Gefragt, wie er das neue Release musikalisch und lyrisch im direkten Vergleich zum Vorgänger sowie in der gesamten Band-Diskografie inkl. EPs und Singles einschätzt, informiert Synthax:
„‚The Eternal Baptism’ ist die bisher konsequenteste Form von Division:Dark. ‚Prophecy’ hat das Fundament gelegt, doch die neue Übertragung geht deutlich weiter: Elektronischer, atmosphärischer und zugleich direkter und emotionaler. Auch lyrisch hat sich der Fokus verschoben. Die dystopische Ebene bleibt bestehen, rückt aber näher an den Menschen heran. Identität, Kontrollverlust, Abhängigkeit und innere Konflikte stehen stärker im Zentrum. Wenn ‚Prophecy’ die erste Warnung war, dann ist ‚The Eternal Baptism’ die Konsequenz daraus.“
Der Albumtitel „The Eternal Baptism“ steht für die Rückkehr zu etwas, das sich nicht berechnen, optimieren oder programmieren lässt, so wird postuliert.
„Zu unserer Menschlichkeit. Und der Fähigkeit, wirklich zu fühlen – ungefiltert, widersprüchlich und manchmal schmerzhaft. Liebe, Sehnsucht, Angst, Wut oder Hoffnung sind für ein perfektes System letztlich Störungen, weil sie sich nicht vollständig kontrollieren lassen. Genau darin liegt die Bedeutung der ‚Taufe‘. Sie ist keine Reinigung von menschlichen Fehlern, sondern das Gegenteil: Die bewusste Rückkehr zu unserer Unvollkommenheit, unseren Widersprüchen und Emotionen. Zu jener menschlichen Frequenz, die zunehmend von Algorithmen, permanenten Reizen, Optimierung und künstlicher Nähe überlagert wird. ‚The Eternal Baptism‘ ist der Versuch, dieses Signal wieder freizulegen. Nicht, um etwas Neues zu erschaffen, sondern um uns an etwas zu erinnern, das längst in uns existiert. Vielleicht ist die verlorene Frequenz nie verschwunden. Vielleicht haben wir nur aufgehört, ihr zuzuhören.“
Mit der thematisierten Zukunftsvision treffen Division:Dark den gesellschaftlichen Nerv der Zeit - KI-Takeover, menschliche Entseelung und Ent-Individualisierung etc. bis hin zu viel diskutiertem (SciFi) Transhumanismus, möchte man annehmen.
„Unsere Vision ist weniger eine Warnung vor Technologie oder KI als vor dem, was wir bereit sind, dafür aufzugeben. Die eigentliche Gefahr beginnt dort, wo Bequemlichkeit wichtiger wird als Selbstbestimmung und Optimierung wichtiger als Individualität. Entscheidend ist für uns, das zutiefst Menschliche nicht zu verlieren: die Fähigkeit, wirklich zu fühlen – ungefiltert, widersprüchlich und manchmal schmerzhaft. Liebe, Sehnsucht, Angst, Wut oder Hoffnung lassen sich nicht perfektionieren. Gerade diese Unberechenbarkeit macht uns menschlich. Wir überlassen Algorithmen zunehmend, was wir sehen, hören, kaufen oder denken. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Maschinen irgendwann menschlicher werden – sondern ob wir Menschen bis dahin selbst immer maschineller geworden sind. Vielleicht liegt die Zukunft nicht darin, den Menschen zu optimieren, sondern darin, sich daran zu erinnern, was ihn überhaupt zum Menschen macht.“
Anschließend wird die Frage gestellt: Ob wohl in der Menschheit je mehr eine Art Gegenbewegung entstehen wird, desto mehr von einflussreichen und machtgierigen Instanzen omnipräsent denaturiert wird, welche sich wieder zurückbesinnt auf die eigentlichen, essentiellen Relevanzen des Menschseins? Und, wird das der Menschheit überhaupt noch - partiell - möglich sein?
„Womöglich schon, je stärker unser Leben digitalisiert, optimiert und gesteuert wird, desto größer wird irgendwann die Sehnsucht nach dem Unmittelbaren – nach echter Nähe, Individualität und ungefilterten Emotionen. Es geht nicht darum, Technologie abzulehnen, sondern darum, uns selbst darin nicht zu verlieren. Solange wir noch lieben, zweifeln, hoffen und widersprechen können, ist die menschliche Frequenz nicht verschwunden. Vielleicht müssen wir nur wieder lernen, ihr zuzuhören.“
Heute war bspw. im Netz zu lesen, dass der Personalausweis gemäß Brüsseler Direktive 2027 in DE aufs Handy umgeswitcht wird, um die Karte ins Aus zu befördern. Leute, die kein Handy, aus welchen Gründen auch immer haben/mögen, sind dann auch mit dieser Neuerung im Nachteil bzw. haben selbst zu sehen, wie sie klarkommen. Viele werden sich dabei denken: Was würde wohl allein heute schon ein Mensch machen, der rigoros ohne Smartphone leben möchte?
„Genau darin liegt ein Widerspruch unserer Zeit: Digitalisierung soll Freiheit und Vereinfachung schaffen, kann aber gleichzeitig neue Abhängigkeiten erzeugen. Wer sich bewusst gegen bestimmte Technologien entscheidet, sollte dadurch nicht vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. Fortschritt wird für uns dort problematisch, wo aus einer Möglichkeit stillschweigend eine Voraussetzung wird. Ein Mensch sollte auch in einer zunehmend digitalen Welt das Recht behalten, analog zu leben. Sonst wird aus Komfort irgendwann Kontrolle.“
Bestimmte Filme, Bücher, Games etc. - Division:Dark hatten laut Synthax nie dieses eine Buch, diesen einen Film oder ein bestimmtes Game als Blaupause:
„Natürlich faszinieren uns dystopische Welten wie ‚Blade Runner‘, ‚Black Mirror‘ oder ‚1984‘, aber Division:Dark entstand eher aus der Beobachtung unserer eigenen Realität. Das Spannende ist: Vieles, was vor einigen Jahren noch wie Science-Fiction wirkte, ist heute bereits Teil unseres Alltags. Genau diese Grenze zwischen Fiktion und Realität interessiert uns – und manchmal hat man das Gefühl, dass die Realität unsere eigene Lore schneller einholt, als uns lieb ist.“
Musikalisch hingegen kommen die Einflüsse in der Band aus sehr unterschiedlichen Richtungen – von Industrial und Metal über Dark Electro bis hin zu elektronischer Musik und cineastischen Klangwelten.
Der Keyboarder dazu: „Uns interessiert weniger ein bestimmtes Genre oder eine einzelne Band als das Zusammenspiel dieser Welten. Entscheidend ist, daraus etwas Eigenständiges zu formen. Division:Dark soll nicht nach einem bestimmten Vorbild klingen – sondern nach Division:Dark.“
Es gibt nicht wenige Menschen, die haben regelrecht Angst vor eigenem, tiefgründig-kontemplativem, absolut individuell fokussiertem (Nach)Denken, weil man darin eben so gar nicht von sich selbst und seinen Sorgen, Nöten, Ängsten etc. abgelenkt wird.
„Stille kann unbequem sein, weil plötzlich all das hörbar wird, was im permanenten Rauschen des Alltags untergeht. Ich empfinde sie aber als wichtig. Gerade dort entstehen oft Gedanken, Ideen und Emotionen, für die sonst kein Raum bleibt. Vielleicht haben wir uns zu sehr daran gewöhnt, jeden freien Moment mit Reizen zu füllen. Für mich bedeutet Stille deshalb nicht Leere – sondern Konfrontation mit sich selbst. Und genau darin kann etwas sehr Wertvolles liegen.“
Wann genau der Songwriting-Prozess zum aktuellen Album begann und wann er endete, lässt sich für den Tastenmann eher schwer in Daten fassen.
„Vielleicht begann er in dem Moment, als das alte Bewusstsein noch nachwirkte und das neue bereits existierte … in dieser Zeit entwickelte sich vieles erstaunlich organisch. Musik, Texte und Konzept haben sich zunehmend gegenseitig beeinflusst, sodass aus einzelnen Songs nach und nach ein zusammenhängendes Gesamtbild entstand. Natürlich gab es Stücke, die mehrere Veränderungen durchliefen, aber die grundlegende Richtung mussten wir nie infrage stellen. Je weiter der Prozess voranschritt, desto klarer wurde, was ‚The Eternal Baptism’ werden sollte.“
Der Verfasser kann sich die neuen Kompositionen der Formation prima anhören, denn sie sind catchy komponiert, spielkulturell hochwertig inszeniert, effizient strukturiert und clever arrangiert. Da keimt unweigerlich die Frage nach einem Songwriter-Mastermind auf.
„Der Begriff ‚Mastermind‘ passt für Division:Dark nur bedingt. Natürlich entstehen Kompositionen, Arrangements und die grundlegende musikalische Architektur nicht aus dem Nichts – innerhalb des Systems gibt es klare kreative Strukturen und eine definierte musikalische Vision. Wer dabei welchen Impuls setzt, soll jedoch bewusst in den Hintergrund treten. Für Division:Dark ist nicht entscheidend, wem eine Melodie, ein Arrangement oder eine bestimmte Idee zugeordnet werden kann. Entscheidend ist, dass sich am Ende alle Elemente zu einer gemeinsamen Frequenz verbinden und etwas entsteht, das eindeutig nach Division:Dark klingt. Die individuelle Urheberschaft ist deshalb weniger wichtig als das Gesamtbild. Sobald die Übertragung beginnt, tritt die Quelle dahinter zurück.“
Erstaunlicherweise hat sich keiner der neuen Songs wirklich nach „Aufwand“ angefühlt. Und wir erfahren den Grund für diesen Fakt:
„Der gesamte Entstehungsprozess war sehr intuitiv. Viele Ideen waren plötzlich da, Melodien und Strukturen ergaben sich fast instinktiv, und oft war es sehr schnell klar, wann sich etwas richtig anfühlte. Die größte Freude war der gesamte kreative Prozess – weil bei Division:Dark nie nur Songs entstehen. Aus ersten Sounds, Melodien und Texten entwickelte sich nach und nach eine komplette Welt: Die Lore, ihre Hintergründe, das Artwork, die visuelle Sprache, die Storylines der Videos und, und, und. Besonders faszinierend ist der Moment, wenn all diese zunächst einzelnen Fragmente beginnen, miteinander zu kommunizieren und plötzlich ein größeres Gesamtbild entsteht. Ein Detail in einem Text findet sich später in einem Video wieder, ein visuelles Symbol bekommt innerhalb der Lore eine Bedeutung, ein Sound wird Teil einer Geschichte. Genau dieses Erschaffen einer eigenen Realität ist wahrscheinlich das, was an Division:Dark am meisten Freude bereitet.“
Die neue Veröffentlichung der Band hat ein sehr aufwändiges und originelles Klangbild - die vielen Finessen und Feinheiten erforderten sicherlich hochgradig detaillierten Aufwand.
„Eine der größten Herausforderungen lag in der elektronischen Architektur. Viele Synthesizer sind sehr komplex ineinander komponiert, übernehmen eigene melodische und rhythmische Funktionen und bestehen aus mehreren Ebenen. Sie sind kein Beiwerk, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Komposition und charakteristisch für Division:Dark. Und genau das musste bis in die Produktion hinein berücksichtigt werden. Eine ebenso zentrale Rolle spielt der Gesang. Trotz der Dichte der Arrangements sollte er immer präsent, unmittelbar und emotional bleiben. Gerade das Zusammenspiel zwischen Stimme, massiven Gitarren und den vielen elektronischen Ebenen erforderte viel Feinarbeit und Raum im Mix. Das Ziel war ein druckvolles, modernes Klangbild, das sofort funktioniert, aber unter seiner Oberfläche genügend Details verbirgt, um auch nach vielen Durchläufen noch Neues entdecken zu können.“
„The Eternal Baptism“ ist für die beteiligten Musiker weit mehr als eine neue Veröffentlichung, wie abschließend proklamiert wird.
„Musik, Texte, visuelle Welt, Videos und Lore sind Fragmente derselben Übertragung – und vieles davon erschließt sich erst, wenn man genauer hinsieht und zuhört. Wir möchten dabei nicht jede Bedeutung vorgeben. Ein Teil dieser Welt soll bewusst offenbleiben und sich erst im Kopf des Empfängers vervollständigen. Am zweiten Oktober beginnt die Übertragung. Was jeder darin entdeckt, entscheidet er selbst. Das Signal ist gesendet. Die Taufe beginnt dort, wo es dich erreicht.“
© Markus Eck, 20.09.2026
Photo Credit: Division:Dark
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