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Interview: FINAL GASP
Titel: In sich versinkend auftauchend

Seit 2019 veröffentlicht die faszinierende US-Band ihre Tonträger und wird dabei tatsächlich immer beschlagener und besser.

Mit dem zweiten Album „New Day Symptoms“ kredenzen Final Gasp rundum großartigen, überraschend eingängigen und absolut zeitlosen Gothic Metal im Stil von gefühlvolleren Paradise Lost, wobei es nicht an Death-Rock-Dynamik und eindringlichen Momenten voller melancholischer Sehnsucht mangelt - betont eigenwillig kombiniert auf ganz individuelle und kraftvolle Weise.

Wer sich also bei derlei Klängen nach 1:1 vermittelter Emotionalität und dunkler, visionärer Andersartigkeit sehnt, wird nicht weitersuchen müssen.

Sänger Jacob „Jake“ Murphy ist aktuell erfüllt von mächtigen Freudenschüben, wie er wissen lässt.„Wir haben schon eine ganze Weile darauf gewartet, dass das neue Album erscheint, daher ist es toll zu sehen, dass es nun endlich auf den Markt kommt.“

Die Chemie innerhalb der Band beschreibt der Vokalist als großartig. „Wir sind alle sehr gespannt darauf, mit dem aktuellen Line-Up auf Tour zu gehen, und wir haben auch schon zusammen an neuem Material gearbeitet. Da ich jetzt in Chicago lebe und nicht mehr in Boston, ist das so natürlich eine neue Herangehensweise, aber es funktioniert immer noch so gut wie eh und je.“

Final Gasp haben sich allesamt gemeinsam als Musiker weiterentwickelt, wie Jake bilanziert. 



„Es hat Spaß gemacht und war interessant, Dinge auszuprobieren, von denen wir vorher nicht gedacht hätten, dass sie ‚funktionieren‘ würden, aber ich glaube, bei dem, was wir machen, gibt es keine wirklichen Grenzen. Unsere frühen Sachen waren offensichtlich sehr stark in der Death Rock-/Punk-Atmosphäre verwurzelt, aber mittlerweile sind wir darüber hinausgegangen. Wir spornen uns gegenseitig an, besser zu werden und härter an unserem Handwerk zu arbeiten, und ich finde, das ist etwas Wunderbares.“

Geradezu unvermeidlich ist es, sich nach den Inspirationen in Bezug auf mehr oder weniger bekannte Bands innerhalb dieser Genres zu erkundigen. Jake:

„Um ehrlich zu sein, sind es bei uns doch viele Einflüsse, die nicht unbedingt aus dieser eigentlichen Ecke stammen. Wir haben uns stark von Bands wie DIIV, Soundgarden, Crowbar und, ja, natürlich auch Paradise Lost beeinflussen lassen. Killing Joke ist natürlich auch unvermeidlich. The Cure ebenfalls. Es läuft letztlich einfach aber darauf hinaus, dass wir etwas hören, wenn wir Songs schreiben, es mögen und dann weitermachen.“

Als sich der Kontext hin zu Stimmungen und Visionen richtet, die im Kompositionsprozess vorrangig waren, eröffnet der Frontmann, dass „New Day Symptoms“ definitiv ein Album ist, das von Zeit und Ort geprägt ist.

„Wir werden uns immer daran erinnern, wo wir mental standen, als wir daran gearbeitet haben. Ich denke, es hat diese krasse Atmosphäre, welche die heutige Welt ausmacht. Wir alle haben während der Arbeit daran und sogar nach den Aufnahmen viel erlebt. Es ist fast so, als hätte es uns durch unsere persönlichen Herausforderungen begleitet, die wir bewältigen mussten.“

Alles beginnt bei Final Gasp mit Gitarren. „Ich schreibe ständig, Gitarrist Peter Micanovic schreibt ständig. Schließlich treffen wir uns bisweilen und arbeiten dann gemeinsam an einigen Riffs. Wir bringen das entstandene Material nachfolgend zur Band und formen es gemeinsam weiter aus. Manchmal geht das ganz leicht, manchmal dauert es etwas länger. Viele der Texte habe ich während der letzten Tour geschrieben. Ich glaube, wenn man unterwegs ist, hat man nur eine Sache im Kopf, sodass es etwas einfacher ist, sich darauf zu konzentrieren. Ich habe im Proberaum Demo-Aufnahmen meiner Vocals gemacht, sie an alle Members geschickt und gefragt, was sie davon halten. Als ich die Demo von ‚Pale Sun‘ an alle geschickt habe, wusste ich, dass wir daran nichts ändern mussten. Nach all dem waren wir bereit, alles zusammenzufügen und den richtigen Sound zu finden.“

Seitdem die Formation 2019 die EP „Baptism Of Desire” veröffentlichte, floss einiges Tränenwasser den Bach des großen kollektiven Weltschmerzes herunter. Um kreativen Rückblick und gegenwärtige Bilanz seiner Attitüde ersucht, gerät der Sänger ins Sinnieren.

„Ich weiß primär, dass ich bessere Songs schreiben wollte. [lacht] Ich wollte auch einfach besser in dem werden, was ich tue, also habe ich daran gearbeitet. Was nun die gesamte ‚Musikwelt‘ oder deren ‚Industrie‘ angeht? Da denke ich, dass wir einen besseren Einblick darin bekommen haben. Es ist schwer zu erklären. Ich sehe, dass viele Bands eine Tourpause einlegen, weil es so teuer und überlaufen ist, aber wir reisen noch nicht mit einem Bus und haben auch keine verrückt aufwändige bzw. teure Produktion oder so. Also weiß ich es ehrlich gesagt nicht so genau. Ich denke, man muss sich einfach voll und ganz auf das konzentrieren, was man tun will und dann tut - alles andere ist doch nur Getöse für Aufsehen und Trubel.“

© Markus Eck, 15.02.2026

Photo Credit: Caleb Gowett

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