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Interview: THE HU
Titel: Ertragreiche Selbstsuche

In allen Belangen außergewöhnlich ist das geheimnisvolle Schaffen mitsamt multipel einnehmender visueller Präsenz dieser mongolischen Pioniere ihrer ganz eigenen künstlerischen Art - nun präsentieren die Erfinder und Pioniere des Hunnu Rock ihr drittes Album: Vorhang auf für „Hun“!

Was von Sepultura 1996 - die reisten damals für eine ganze Woche in den brasilianischen Regenwald (!) und nahmen direkt vor Ort authentische Tribal-Elemente auf - mutig mit dem Bahn brechenden „Roots“ begonnen wurde, das sollte noch so viele wohlschmeckende Stilfrüchte tragen. Man frage in dem Kontext nur mal nach den neuseeländischen Alien Weaponry, deren Songs weltweit ebenfalls immensen Anklang finden.

Und auch The Hu ernten bravourös: Seit 2016 frönt der exotisch hart schillernde Ethno-Vierer aus der dortigen Hauptstadt Ulaanbaatar einer faszinierenden musikalischen Vision, welche enorm schmissiges Klangvolumen wie selbstverständlich mit allerlei originellem Folklore-Beiwerk aufzuwerten versteht.

Dabei trifft Kehlkopfgesang auf massiv drückende Stromgitarren und wuchtig pulsierendes Drumming - und The Hu sind auch moderneren (US)Varianten des Basic-Genres durchaus aufgeschlossen, wie die Single „Lost Soul“ offenbart.

Thematisch behandelt auch das enorm spannende Neuwerk „Hun“ wieder mit überragender Epik Überlieferungen und Legenden der Mongolei, die von dem Quartett mit einem erstaunlich universellem Anspruch umgesetzt werden.

„Wir haben uns zusammen all die dafür erforderliche Zeit genommen, um alles nach unserer Vorstellung richtig zu machen. Wir hatten ein klares Bild davon, wie ‚Hun‘ werden sollte, somit fügten sich die einzelnen Arbeitsschritte auch in den verschiedenen Schaffensetappen ganz natürlich aneinander“, so verkündet Frontmann Galbadrakh „Gala“ Tsendbaatar. „Und wir haben durch dieses konkrete Vorgehen so viele gute neue Ideen zusammengebracht, dass viele davon bereits fürs kommende Album eingeplant sind.“

Derzeit konzentrieren sich die laut eigener Aussage zu Großem ambitionierten Musiker nach dem riesigen Erfolg des 2022er Albumvorgängers „Rumble Of Thunder“ neben all der Öffentlichkeitsarbeit insbesondere auf ihre aktuellen Gigs.

„Wir werkeln emsig an einer brandneuen Setlist. Und wir beabsichtigen definitiv, in größeren Veranstaltungsorten aufzutreten, damit wir eine aufwendigere Inszenierung umsetzen können, um die speziellen Elemente unserer Kultur möglichst unterhaltsam und fesselnd einbringen zu können. Wir können es nicht erwarten, unseren Fans all die neuen Einfälle auf den Bühnen präsentieren zu können! Los geht’s bei dieser Europatournee für uns im September in der schottischen Hauptstadt Glasgow - wir werden in 23 Städten und in neun Ländern konzertieren. Mit dabei werden Skáld als Special-Guest sein. Vorab sind wir im Juli sogar bei den mächtigen Iron Maiden bei einem Date ihrer „Run For Your Lives”-Tournee in England mit ein paar anderen namhaften Bands als Support dabei.“

2022 bekamen The Hu von der UNESCO den Titel „Künstler für den Frieden“ verliehen, wozu der Formation anhaltend herzlicher Glückwunsch gebührt. Diese hohe Ehre hätte passender nicht vergeben werden können. Gala: „Ja, die mongolische Identität war unter dem Kommunismus hier eigentlich ja praktisch verboten. Wir wissen es daher gigantisch zu schätzen, nun freier, friedlicher und ungezwungener leben und musizieren zu können. Nach dessen Zusammenbruch waren zunächst alle Menschen hier damit beschäftigt, herauszufinden, wer sie eigentlich in Wirklichkeit sind. Beileibe kein leichter Prozess, daher fokussierten wir uns einfach und intuitiv auf Traditionen - beispielsweise eben die Pferdekopfgeige, welche seit vielen Generationen Teil der mongolischen Identität ist, genauso wie der einzigartige Kehlkopfgesang.“

Auch Gründungsmitglied und Untertonsänger Enkhsaikhan, kurz Enkush genannt, schätzt und spielt sie inniglich, die traditionelle Morin Khuur - und ist daneben einer der Sänger, die den markanten Untertongesang in der Gruppe beisteuern. Er gibt dazu preis:

„Ich liebte Musik schon als Kind von ganzem Herzen, so ‚spielte‘ ich früher sogar mit den Haarnadeln meiner Mutter und meiner Großmutter schon wie auf einer Pferdekopfgeige herum, daher meldeten die beiden mich für den Unterricht an dem Instrument an. Ich kann ihnen auch heute echt nur endlos dankbar dafür sein. Unter der kommunistischen Herrschaft gab es in jeder Stadt ein Kunsttheater, in dem sich alle Künstler, wie Tänzer und Musiker, unter einem Dach versammelten, zusammen mit einem verantwortlichen Regisseur, der auch Kinder vorspielen ließ. Das ging auch nach dem Ende des Kommunismus sogar weiter. Ich habe dort für die Pferdekopfgeige vorgespielt, aber sie wollten mich zunächst nicht aufnehmen. Es hieß, meine Finger seien zu klein und ich solle doch lieber ein Blasinstrument lernen, was ich jedoch überhaupt nicht mochte. Da hatte ich meinen ganz eigenen Kopf auf und blieb bedingungslos beharrlich.“

© Markus Eck, 10.07.2026

Photo Credit: Blguunee Hiroshi

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