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Interview: WOLFCHANT
Titel: Voll nach vorne

„Echoes Of A Time Once Past“, der aktuelle Nachfolger zum 2021er Album „Omega : Bestia“, präsentiert das Schaffen der beständigen bayrischen Power Melodeather überraschend frischer, schärfer, und vor allem ungemein energischer und dynamischer.

Auch Sänger Lokhi ist dieser Tage in Hochstimmung mit dem achten Studio-Longplayer seiner getreuen Formation, welche seit 2003 im Genre mitmischt.

„Ja, es fühlt sich einfach immer großartig an wenn man etwas, in dem so viel Arbeit und Zeit steckt auf die Menschheit loslassen kann. Immer noch ein ganz spezielles Gefühl zwischen Aufregung und Freude, auch nach so vielen Releases!“


„Omega : Bestia“ wurde von den Musikmedien wie immer zwiegespalten aufgenommen bzw. rezensiert, wie er sagt. 


„Es gibt ja seit Jahren die immer Gleichen, die auf alles von uns draufhauen - egal was es ist. Natürlich gibt es auch viele die sich zuerst mit der Musik beschäftigen und dann erst urteilen. Von den Fans wurde ‚Omega : Bestia’ sehr gut aufgenommen und von den Veranstaltern auch, das Album hat uns wieder um die halbe Welt gebracht.“



„Echoes Of A Time Once Past“ hört sich vom Fleck weg verflucht kraftvoll an - es erscheint doch um einiges gelungener und zeitloser als die letzten beiden Alben bspw. geworden zu sein. Ob Wolfchant dafür Energy-Drinks vom Fass eingefahren haben?

Der Frontmann konstatiert: „Auch die neue Musik ist wieder ganz natürlich entstanden - wir hatten aber tatsächlich im Sinn dieses Mal das Gaspedal etwas stärker durchzudrücken. Generell war der Plan die alten und die neuen Wolfchant bestmöglich zu vermischen und wie immer einen eingängigen und gefälligen Mix zu machen. Wir denken dass uns dies gelungen ist und sind mit dem Album alle komplett zufrieden. Für mich persönlich ist dieses Werk sogar das Beste, was wir bislang überhaupt abgeliefert haben. Wir haben auch sehr lange an den Songs gefeilt. Natürlich gibt es Wolfchant-Veröffentlichungen die einen gewissen Kultstatus bei den Fans haben, darum haben wir 2024 auch ‚A Pagan Storm‘ nochmals veröffentlicht, aber kompositorisch gesehen ist dies nun zweifelsfrei unser Höhepunkt.“



Sehr auffallend diesmal: Die Gitarrenarbeit von Skaahl und Seehb, beide sind anscheinend unheilbar übungssüchtig geworden, mitsamt dem mitreißend bulligen, auch punktuell famos akzentuierenden Drumming offenbart sich massiv verbessert - immer wieder giga-flüssig, oftmals beeindruckend technisch und dabei auch noch wiederholt beachtlich virtuos. 


„Ja, tatsächlich üben die zwei sehr viel und sind täglich an der Gitarre. Das Spiel der beiden hat sich über die letzten Jahre unglaublich entwickelt und ich kann teilweise selber immer nicht glauben, was die beiden da aus ihren Fingern zaubern. Das hebt uns natürlich auch etwas von anderen Bands aus dem Genre ab. Die beiden sind wirklich große Fans von diversen Power-, Thrash- und Death-Metal-Bands, auf Skaahl z.B. hatten Children Of Bodom immer einen Einfluss. Also durchaus stets Bands bei denen ein gewisses virtuoses Gitarrenspiel im Vordergrund steht.“



Die hörbar immer noch quicklebendigen Vokalduelle zwischen ihm und Co-Sänger Nortwin konnten über die Jahre seit dem 2011er Langeisen „Call Of The Black Winds“ stetig reifen und immer noch inniglicher werden - insgesamt eher souveräne Routine oder doch einfach grenzenlose Kehlenliebe?

„Es ist immer ein Mix aus beidem. Wir machen uns vorher viele Gedanken wer was wann singt und wie es sich anhören soll. Also, wann wir etwas gemeinsam oder getrennt singen. Natürlich ist über die Jahre eine Routine hinzugekommen und wir wissen beide immer ungefähr, wann was am besten passt. Es macht uns aber sehr viel Spass dabei die Köpfe zusammenzustecken und das alles gemeinsam auszuarbeiten.“



Die neuen Songtitel deuten auf für die Band obligatorische Inhalte hin. Lokhi greift zwei Nummern heraus: „Bei ‚Witchfinder‘ arbeiten wir eine Hexenverfolgung aus dem 16. Jahrhundert auf - ein Thema das wir schon öfter vertont haben, das aber sehr wichtig für uns ist weil es sich immer wieder auch auf die heutige Zeit projizieren lässt. Schnell ist jemand beschuldigt und wird zerstört, wenn heute auch am Schluss kein Scheiterhaufen steht, ein Leben kann dennoch so schnell zerstört werden. ‚Lifeblood‘ hingegen beleuchtet die letzten Gedanken vor dem Tod in der Schlacht oder nach einem entscheidenden Kampf, wenn man bereits spürt dass einen das Leben verlässt und es kein Zurück mehr gibt.“



Das Songwriting für den neuen Album-Output ging bereits 2023 los, wie zu erfahren ist. „Und seitdem ist einiges passiert, was uns immer auch wieder etwas zurückgeworfen hat. Die letzten Jahre hatten viele Höhepunkte aber auch einige gravierende Tiefpunkte. Das ist aber bei den meisten Menschen auch so und ich will darauf gar nicht lange herumreiten. Der Songwriting-Prozess wurde dadurch aber immer wieder unterbrochen und verzögert. Man darf nicht vergessen, dass wir ‚Omega : Bestia‘ am Höhepunkt von Corona veröffentlicht haben - was ebenfalls ein schwieriges Unterfangen für uns war. Wir hatten am Schluss aber um die 15 Songs und nur knapp die Hälfte haben es auf das Album geschafft.“

Bassist Sertorius, der seit 2024 erneut die dicken Saiten bei Wolfchant zupft, hat sich schnell wieder sehr gut eingelebt, so Lokhi. „Er hat eine abgesprochene Babypause eingelegt, da er nach der Geburt seines Kindes erst mal weniger unterwegs sein wollte. Die Rückkehr war von Anfang an geplant. Wir sind alle lange befreundet und Familie kommt immer als erstes.“

Die vielen Touren führen Wolfchant auch immer wieder mal aufs berühmte „70.000 Tons“-Schiff - siehe dem 2020er Tribute-Song der Band zur maritimen Event-Cruise-Serie. Vom malerischen, urwüchsigen Bayrischen Wald schnurstracks auf FlipFlops in die sonnige Südsee mit dortigen Cocktails in der Hand und Sonnenbrand auf den Buckeln …

„Da zu spielen ist natürlich ein Privileg und sowas wie ein bezahlter Urlaub. Wir haben das sehr genossen am 70k zu spielen und mit Fans aus aller Welt im direkten Kontakt zu sein. Wer hätte das vor 20 Jahren jemals geglaubt, dass die Jungs aus Niederbayern das mal hinbekommen. Eine interessante Anekdote ist, dass unser Drummer wegen leichter Halsschmerzen zum Arzt an Bord ging, und dann gleich mit Verdacht auf Corona für den Rest der Reise auf die Kabine verbannt wurde - somit konnten wir einen Auftritt nicht mehr spielen und mussten uns gnadenlos besaufen. Wir haben daraus alle was gelernt.“ [lacht]

© Markus Eck, 27.01.2026

Photo Credit: Alina Wurm

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