
| Interview: | ANNEKE VAN GIERSBERGEN |
| Titel: | Lebensfreude im Rampenlicht |
Ein Jahr vergeht oft viel zu schnell. Nicht schnell genug konnte die Zeit jedoch für die Fans der niederländischen Sängerin vergehen, welche vor rund zwölf Monaten den ersten Teil ihres musikalischen Triptychons „La Vie, La Mort, L’Amour“ veröffentlichte.
Betont persönlich, ja, geradezu intim gedacht, ersann die leidenschaftliche Kreativseele diese emotionale Klangreise - in welcher es durch Liebe, Verlust und Trauer geht.
Dieser besungene Gefühlskontext wird vollauf verständlich, wenn man erfährt, dass die Vokalistin zuvor binnen zwei Monaten beide Eltern verloren hatte.
Nun stellt Anneke, die einst mit The Gathering bekannt wurde und seit einiger Zeit auf Solopfaden wandelt, als zweiten Teil die neue EP „La Mort“ vor. Die erste Single „Red Sky“ samt spielfreudig-schwungvollem Musikvideo kann einen vielversprechend repräsentativen Eindruck geben.
„Ja, wir hatten auch dabei wieder eine Riesenfreude miteinander, und das sieht man eben allzu deutlich. Und für mich stellt es so gar keine Schwierigkeit dar, als Sängerin und Gitarristin mit acht Mitmusikern und Mitmusikerinnen zugange zu sein, denn wir alle lieben es, in diesem Line-Up zusammen genau die Musik zu machen, die wir eben spielen. So ergänzen wir uns viel eher, als dass es irgendetwas zu einigen gibt bzw. irgendwelchen individuellen Kompromisse.“
In der Tat, zusammen mit der Backing-Vokalistin Allie Summers, Violinistin Camilla van der Kooij, Edward Capel an den Holzblasinstrumenten, den beiden Gitarristen Gijs Coolen und Matthias van Beek, Bassist Roel Blommers, Keyboarder Thijs Schrijnemakers sowie ihrem Ehemann und Schlagzeuger Rob Snijders entstehen großartig natürlich erschallende Klangteppiche.
Die Frage nach der Intention, EPs nacheinander auf den Markt zu bringen, anstatt ein Album, kontert das Energiebündel gänzlich plausibel:
„Ich spiele einfach wahnsinnig gerne live, und das erst recht mit meiner Band - mit den EPs kann ich doch viel öfter auf die Bühnen“, platzt es herzlich lachend aus ihr heraus.
Wie schon bei „La Vie“, der 2025 erschienen ersten EP der Trilogie, nahm Anneke die vier neuen Songs wieder zusammen mit eben dieser, ihrer Liveband auf.
„Unser Ziel war es, damit einen möglichst organischen Gesamtsound hinzubekommen - was umso relevanter erscheint, entsinnt man sich der tiefgründigen, lyrischen Songinhalte.“
Obwohl es auch aufgrund der Titelgebung naheliegen zu scheint, so Anneke, behandelt nicht jeder Song auf „La Mort“ strikt das Thema Tod.
„Ich lasse mich wie stets auch ganz gerne völlig punktuell inspirieren, wenn ich meine Lieder schreibe, was das Ganze für mich glücklicherweise letztlich sehr ‚lebendig‘ hält. Das ist mir sehr wichtig. ‚Sail Towards The Sun‘ aber handelt doch davon, nämlich davon, mich von meinem Vater innig zu verabschieden. Der hatte früher sein eigenes Segelboot gebaut, welches zuverlässig auf vielen Wellen fuhr - wir haben damit sogar einige ganze Familienurlaube komplett auf dem Wasser verbracht. Diese wirklich wunderschöne Erinnerung trage ich sehr, sehr nahe am Herzen.“
Bei all den frohen Neuigkeiten um ihre anhaltend quicklebendige Solokarriere steht bei Anneke 2026 auch ein ganz besonderes Jubiläum an, nämlich das 30-jährige zum dritten Studio-Langspieler „Mandylion“, mit welchem The Gathering nach dessen 1995er Veröffentlichung den breiten Durchbruch schafften.
„Wunderbar, oder? Es ist das erste Album der Band mit mir als Sängerin, für mich also ohnehin ein Meilenstein. Ich werde tatsächlich mit der Originalbesetzung als Sängerin dafür auf Tour gehen! Performt werden dabei einige ganz besondere und sehr spezielle Reunion-Shows, und wir werden sogar auf dem Wacken Open Air auftreten! Ich freue mich immens darauf, schließlich hatten wir 2025 bereits fünfmal positiv denkwürdige Auftritte in diesem nostalgischen, aber immer noch frisch aufspielenden Line-Up - und alle waren ausverkauft, was diese Gigs doch wirklich vollauf bestätigte. Das spornte uns an, auch dieses Jahr zusammen wieder auf den Brettern stehen zu wollen.“
© Markus Eck, 09.03.2026
Photo Credit: Mark Uyl
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