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Interview: ARTHUR_BROWN
Titel: Metaphysische Eingebungen

Mit seinem neuen Album „Nature“ läutet der vielseitig legendäre Brite das letzte Kapitel seiner spannenden künstlerischen Reise ein, die bereits seit sagenhaften sechs Jahrzehnten andauert. Rein musikalisch bleibt sich der poetische Sänger auf dem Nachfolger zum 2022er „Monster’s Ball“ treu, lyrisch gibt sich Arthur Brown damit jedoch diesmal auch durchaus betont zeit- und vor allem sozialkritisch.

Als der kauzige Exzentriker 1968 feurig behelmt mit seinem weltberühmten Chartstürmer „Fire“ erstmals für Staunen sorgte, sollte er damit relevanter Einfluss für eine Vielzahl an Größen wie David Bowie, Alice Cooper, Peter Gabriel und Bruce Dickinson werden.

Doch er, der einst mit The Who, Jimi Hendrix, Frank Zappa, den Doors und Joe Cocker die Bühnenbretter teilte, blieb liebenswert natürlich und bescheiden, wie sich im maximal unterhaltsamen Gespräch einmal mehr bestätigt.

„Ja, die heutige Welt hat tatsächlich beinahe immer noch dieselben gesellschaftlichen Probleme wie damals, als ich Ende der 1960er anfing mit Musik durchzustarten. Hoffentlich lernen die Menschen es in diesen Tagen endlich, die richtigen Antworten und funktionierende Lösungen zu ersinnen. Die technischen bzw. kommunikativen Möglichkeiten haben sie ja aktuell mehr denn je zur Verfügung. Im Titelsong des Albums gehe ich das konkret an - all die mentalen Fesseln zu sprengen, zurück zur Natur und zurück zur Natürlichkeit wäre doch schon mal ein prima Anfang für alle!“

Der klassische Hippie-Spirit also, der das gedankliche Universum des frohgemuten Freigeistes bis heute dominiert - schlecht hat es dem 84-jährigen Fantastiker nicht im Geringsten getan, der mit seiner Band The Crazy World Of Arthur Brown in multimedialen Bühnenshows so anhaltend positiv und farbenprächtig faszinieren kann; selbst seine Falsettgesänge zelebriert er fortlaufend in geradezu (be)rührender Manier.

Auch das ebenenreiche Neuwerk „Nature“ bietet den bei Brown seit jeher betont eigenständig schillernden Individualmix aus Psychedelic und Art Rock, wartet zudem mit bewährten Occult-Klangtupfern auf - und beugt sich damit keinem einzigen Genre-Trend auf diesem Planeten.

Eine unter diversen Besonderheiten auf dem tief durchdachten Album sind die liebevoll eingebrachten Aufnahmen von lokalen Naturgeräuschen in der Umgebung seines Stammhauses in den meernahen Hochebenen von North Yorkshire, wo sich der selige Rockpionier auf seine alten Tage niedergelassen hat.

„Vor zehn Jahren saßen wir, also ich und meine Partnerin Claire Waller, hier zusammen und überlegten, was wir in der Zukunft kreativ so alles tun wollten. Da beschlossen wir, zusammen in die Welt hinauszuziehen und weite Reise zu unternehmen mit dem Ziel, spirituell kräftigende Energieplätze aufzusuchen. Gesagt, getan, so gelangten wir auch nach Roswell in New-Mexiko, was berühmt wurde für all die dortigen Alien-Dinger. Wenn man dort in den Nachthimmel blickt, packt es einen einfach, da ist etwas Spezielles, etwas Unbeschreibliches, wir haben es selbst erlebt - es liegt einfach in der Luft, man spürt es deutlich! Die geheimnisvolle Interaktion von Himmel und Erde da, man kann es nicht sehen, aber es ist vorhanden, und hat uns wirklich gepackt, absolut unvergesslich“, so schwärmt die altehrwürdige englische Stimme in aller Ergriffenheit.

Diese und weitere Erfahrungen und Eindrücke waren dann der ausschlaggebende Input dafür, so Arthur ehrfürchtig, um Wasser- und Windrauschen, Feuerknistern etc. bei sich zuhause aufzunehmen.

„Nicht zuletzt auch für die Tribal- und Ethno-Komponente sozusagen. Für Claire, die mich als neben dem Management auch als ‚Creative Director’ massiv unterstützt, war dies sozusagen das persönlich umgesetzte, heimische Resultat unserer globalen Trips. Ich machte da nur zu gerne mit - denn die Energie und die Kraft der Natur, sie ist überall erleb- und spürbar, das ist die Essenz. Nicht weit weg hier von unserem Haus liegen zudem meine Vorfahren nebeneinander begraben: Mein Urgroßvater, mein Großvater und mein Vater, das gab mir dabei sehr zu denken - all die Jahre ihres Lebens war die Natur immer da, immer präsent, immer am Wirken. Ich besuche die Gräber oft und philosophiere, bilanziere etc. - dort lerne ich, dabei ‚familiär‘ fühlend, immer wieder sehr viel über mich selbst und damit viel über das menschliche Dasein an sich. So bedeuten mir die Elemente von Mutter Natur, die auf diesem Album hörbar zu erleben sind, noch so viel mehr als sie vordergründig zu sein scheinen. Acht Meilen von hier wurde ich einst in Whitby geboren - nun zolle ich dieser so wunderbaren Umgebung und den Naturschönheiten hier einen würdigen und zeitlosen Tribut damit, der mich so unsagbar glücklich und gleichzeitig endlos dankbar machen kann.“

© Markus Eck, 20.08.2026

Photo Credit: Harvey Waller

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