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Interview: CORONATUS
Titel: Unerschrockenes Eintauchen

Über all die Jahre seit dem 1999er Start behielt die Baden-Württembergische Symphonic-Metal-Formation ihre stilistisch wandelbare Direktive bei, stets mit einem Folk-Faible agierend.

Dem 2021er Album „Atmosphere“ folgt nun der brandneue Longplayer „Dreadful Waters“. Dazwischen gab es 2023 die Single „Dark Ice“, mit dem Band-Debüt von Nemesis als Rockstimme bei Coronatus, repräsentiert von Birgit „Biggi“ Käfer. Sie schaffte es beim Populärformat „The Voice Of Germany“ gar ins dortige Battle, was partiell zur Releasepause bei der Band führen sollte.

Drummer und Gründer Mats Kurth freut sich riesig, gutes Neues berichten zu können. „Es fühlt sich natürlich super an, diese Songs endlich zu veröffentlichen! Endlich! Man muss wissen, daß die letzten Aufnahmen bereits im Februar 2024 abgeschlossen waren, das Songwriting war weitestgehend bereits im Juni 2023 abgeschlossen. In dem Jahr hatten wir dann ja auch schon nach der Single ‚Dark Ice‘ die Erwartung, dass das Album schnell folgen würde. Daraus wurde leider nichts! Einerseits gab es massive Verzögerungen durch die Umstrukturierungen bei unserem Label Massacre Records und andererseits mussten wir den Release auch Band-intern verschieben, da Nemesis durch ihre Teilnahme bei ‚The Voice Of Germany‘ mit Sperrfristen belegt war, welche zu brechen wir und Massacre Records uns nicht getraut haben.“

Zur Feier der Albumveröffentlichung von „Dreadful Waters“ spielten Coronatus am Samstag, den 24. Januar 2026 einen exklusiven Release-Gig im Bryggaren Kulturzentrum im schwedischen Västervik, bei dem sie das gesamte neue Werk als Premiere auf der Bühne individuell performten, zusammen mit einer Auswahl von Fan-Favoriten aus dem eigenen Repertoire. 


„Es war natürlich toll diese Songs zum ersten Mal live zu spielen! Wir haben das komplette neue Album gespielt, sowie ein paar ältere Stücke. Sabine Prechtel war als Live-Besetzung für den Sopran zuständig, da unsere Leni unlängst ihren Nachwuchs zur Welt gebracht hatte und somit nicht mitmachen konnte. Auf dem Album hat Sabine ja schon in den Chören mitgewirkt und ist außerdem offiziell Lenis BackUp bei Live Gigs, falls diese verhindert ist. Der Sound wurde von dem ehemaligen Guano Apes-Tonmann Pierre Andersson gemacht und war daher top. Einige der männlichen Gesangsparts wurde von Sigvard Alm übernommen, welcher aus direkt Västervik kommt. Wir haben uns die Bühne mit den local heroes Peaceful Minds geteilt. Alles in allem ein klasse Event!“



Die Frage danach, wie fair bzw. angemessen das Vorgängeralbum von Fans und Musikmedien seiner Einschätzung nach an- und aufgenommen wurde, lässt dem Trommler zunächst ruckartig die Augenbrauen hochschnellen.


„Naja. Coronatus hat schon immer sehr polarisiert! Es gibt wirklich eine durchaus immer breiter werdende Fanbase, aber auch richtige Hater. Entsprechend uneinheitlich sind die Kritiken und Reaktionen auf ‚Atmosphere‘ gewesen. Das war eigentlich schon immer so, ist dann aber mit den letzten Alben etwas zurückgegangen.“

Tatsächlich waren die bisherigen Reaktionen auf „Dreadful Waters“ weitgehend sehr positiv, so sagt Mats. „Der Prozess läuft aber gerade noch und erfahrungsgemäß kommen negative Reaktionen meist etwas später als die positiven. Wir werden sehen. Der Trend ist aber klar in Richtung einer etwas verminderten Polarisierung. Ich meine, ist ja auch klar, wenn eine Band elf Alben veröffentlicht hat, ohne dass das Label diese Band gedropped hat, dann muss es ja wohl genügend Fans für genau diese Musik geben. Ein Label ist nicht die Heilsarmee - wenn es sich nicht in irgendeiner Form lohnen würde, würden sie es nicht machen.“


„Dreadful Waters" ist ein bemerkenswert vielfältiges Werk voller kraftvoller und kontrastierender bzw. unterstützend beseelender Song-Momente. Der Schlagwerker nickt dezent. 


„Ich finde unsere Musik ändert sich langsam aber stetig. Wir probieren vieles aus, experimentieren, aber bleiben in der Basis unseren musikalischen Vorlieben treu. Gegenüber den Anfängen sind die Folk-Parts sowie die symphonischen Elemente mittlerweile viel ausgeprägter als zu Beginn. Musikalisch ist einer der Hauptunterschiede zum Vorgängeralbum ‚Atmosphere‘ sicherlich, daß wir wieder männliche Vocals in den Chören und ab und zu auch als Solostellen eingesetzt haben. Das liefert oft eine gewisse ‚Mächtigkeit‘ in diesen Parts, welche der Musik gut tun.“


Widmete sich „Atmosphere“ noch luftigen Höhen, so thematisiert „Dreadful Waters“ als gesamte maritime Erzählung irdisches Nass, Meere, Seen etc.


„Wasser, ob in Form der riesigen Ozeane oder auch nur eines kleinen Moorsees, ist seit jeher ein Symbol für das Unbekannte und Undurchschaubare. Segen und Bedrohung zugleich! Aus prähistorischen Funden im schwedischen Motala wird z.B. auch abgeleitet, daß das Wasser als Übergang, als Tor in die nächste Welt gesehen wurde. Wir haben uns bei dem neuen Album auf die eher bedrohlichen Aspekte des Wassers konzentriert. Aber nicht nur! Gerade die Single ‚Through The Brightest Blue‘ steht klar für das Leben spendende Momentum des Wassers.“

Trotz aller Variation und Vielschichtigkeit im Songwriting hört sich auf „Dreadful Waters“ alles wie aus einem Guss an. Mehr dazu:

„Ganz zu Beginn sind die Songs im Proberaum entstanden. Jemand brachte die Hauptidee und alle anderen haben ihren Beitrag geleistet. Das war sehr schön, aber ungemein zeitintensiv. Im Lauf der Jahre hat sich das Komponieren daher immer weiter auf eine Person reduziert, die im Wesentlichen den ganzen Song zuhause am Rechner komplett fertig gemacht hat. Das war deutlich effizienter. Diesmal jedoch sind wir wieder ein kleines Stück in die andere Richtung gegangen. Bei zwei der neuen Songs waren als weitere Komponisten der Harry, Biggi und Leni beteiligt, anstelle wie bei den letzten Alben nur ich selbst. Wie immer hat Dennis Schwachhofer dann noch nachträglich zur Grundkomposition die Orchester- und Keyboard-Ausarbeitungen gemacht. Dass sich alles wie aus einem Guss anhört liegt sicherlich daran, dass sich mittlerweile doch eine gewisse Erfahrung beim komponieren bei allen Beteiligten finden lässt. Nicht zu vergessen den typischen Sound, den Produzent Markus Stock den Stücken verliehen hat.“

Seit 1999 gibt es Coronatus laut Metal Archives, eine für heutige Zeiten sehr lange Zeitspanne - da kommt der Verfasser unweigerlich ins anerkennend-respektvolle Staunen und fragt sich und damit auch Mats, wie beständig künstlerische Geister in einer Band eigentlich sein können.


„Für mich ist Musik komponieren eine riesige Spielwiese - oder in meinem Fall eher ein Wald - auf der es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Diesen Spieltrieb auszuleben und am Ende in Form neuer Songs zu materialisieren ist für mich das Größte! Allerdings brauche ich auch eine gewisse Ruhe und Zeit um sinnvoll zu schreiben. Das ist derzeit eine Herausforderung, da mit unserem Umzug nach Schweden und dem neuen Job Zeit gerade Mangelware ist. Ich hoffe aber sehr, daß ich mich demnächst wieder voll in die Musikkomposition stürzen kann. Eine weitere Herausforderung ist AI. Ich habe unlängst ein paar Beispiele gehört, die mich doch sehr zum Nachdenken gebracht haben. Im Moment erschaffen diese Programme noch nichts wirklich Neues, aber das Gewohnte können sie unfassbar schnell und auf sehr hohem Niveau. Da muss ich für mich selbst erstmal zu einem Ergebnis kommen. Die Gefahr, in Zukunft als Komponist ersetzt zu werden, ist jedenfalls real.“

Das Songwriting für „Dreadful Waters“ hat sich laut Mats über Monate erstreckt. „Die eigentliche Studiozeit mit Markus Stock im Klangschmiede Studio E beschränkte sich auf eine Woche im Herbst 2023 und zwei Wochen im Frühjahr 2024. Mit Mix und Mastering waren wir sehr zufrieden. Beides wurde ebenfalls von Markus durchgeführt.“

Das neue Artwork von Ivanhoe-Drummer Michael Krebes ist sehr fein geworden. „Wir sind auch sehr zufrieden damit! Besonders an ihm war, wieviele Vorschläge er zu jedem Thema hatte. Manchmal konnten wir uns gar nicht entscheiden, welches Bild wir wählen sollten, weil irgendwie alles super war! Eine sehr gute und unkomplizierte Zusammenarbeit war ein Übriges. Es tat mir auch für ihn sehr leid, daß sich dann die Veröffentlichung so sehr hinausgezögert hat. Aber ich würde jederzeit wieder mit ihm arbeiten wollen!“

© Markus Eck, 05.01.2026

Photo Credit: Coronatus

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