
| Interview: | MORTEM |
| Titel: | Vertiefte Kunstfertigkeit |
Das ist mal eine nonkonfome Bio: Ende der 1980er aus dem unheiligen Taufbecken gehievt, karrten die norwegischen Schwarzmetallpioniere zunächst ein kultiges Demo an, um danach erst in 2019 eine Single mit nachfolgendem Debütalbum zu schmieden.
Nun sucht der ebenso gelungene Nachfolger „Mørketid“ nach einlasswilligen Dunkelseelen, mit im Line-Up wüten Musiker von Mayhem und 1349.
Und die lange Inaktivität ist interessant erklärt, schließlich waren bzw. sind Mortem die Vorläuferkapelle zu den weltberühmt gewordenen Arcturus, auch eben bei Thorns mischte man mit.
Wie Giftkehle und Bandmitbegründer Marius Vold zu berichten weiß, hat sich der Geist der Band mit der Zeit und der Erfahrung ganz natürlich weiterentwickelt.
„Die Aggression und die Dunkelheit sind immer noch da, aber heute gibt es auch mehr Tiefe, Atmosphäre und Reflexion in der Musik. Was die Frage angeht, wo wir uns heute unter Tausenden ähnlicher Bands sehen – ehrlich gesagt, sind wir uns dessen tatsächlich bewusst, jedoch sind wir eben w-i-r. Ich wünschte mir, es wäre im Black Metal noch so dreckig wie früher. Mir gefällt es nicht, dass es so kommerziell geworden ist. Auch wenn wir davon profitieren. Es gibt zu viele Bands da draußen, die alle gleich klingen.“
Seit erwähntem Demo „Slow Death“ von 1989 bis zum ersten Langeisen waren Mortem völlig inaktiv in der Szene, wie Marius bilanziert. Während Arcturus sich ab Mitte der 1990er beachtlichen Erfolg und einen künstlerisch glänzenden Ruf erschufen.
„Bei Mortem ist in diesen Jahren einfach nichts passiert, bis wir uns eines Tages … etwa 30 Jahre später … wieder trafen und neu anfingen. Es gab zwar einige Anfragen, aber der Hauptgrund für unsere Wiedervereinigung war Steinar Sverd Johnsens Traum als Mitbegründer der Band, darin wieder Gitarre zu spielen und aggressivere Musik als Arcturus zu machen. Das fühlt sich jetzt einfach toll an - und ich hoffe wirklich, dass unser neues Album den Leuten gefällt. Ich freue mich darauf, unsere Fans zu treffen – hoffentlich singen sie mit.“
„Ravnsvart“ erschien 2019, im schicksalhaften Corona-Jahr, was den ohnehin schon distanzierten und schöpferisch „gemächlichen“ Arbeitsstil der Truppe zusätzlich einschränkte.
Marius: „Ja, ‚Ravnsvart‘ ging leider in Covid unter, und die meisten Shows und Tourneen wurden abgesagt, bevor wir überhaupt richtig loslegen konnten.“
Für den neuen Auswurf haben Mortem noch einen Gang zugelegt, so das Knurrmonster.
„Es ist aggressiver geworden. Es ist härter und schneller. Mehr Schichten. Was mir am besten gefällt: Wir haben das Album tatsächlich fertiggestellt, trotz aller anderen Projekte und persönlichen Hindernisse in den letzten Jahren. Ich sehe diese neue Veröffentlichung als natürliche Weiterentwicklung meiner musikalischen Reise. Ich denke, sie fängt ein breiteres Spektrum meiner tieferen Gefühle und Ideen ein und wirkt selbstbewusster als meine früheren Kompositionen. Textlich behandelt ‚Mørketid‘ weitgehend dieselben Themen wie ‚Ravnsvart‘ – Krieg, Mord, Angst und religiöse Unterdrückung. Musikalisch war der Entstehungsprozess von ‚Mørketid‘ wahrscheinlich länger und anspruchsvoller als bei ‚Ravnsvart‘. Die Riffs sind ausgefeilter und eine Stufe schärfer.“
Das Miteinander stimmt auch, wie kurz und knapp, aber entschieden gelobt wird.
„Wir sind Bandmitglieder. Wir führen unser eigenes Leben. Aber wir sind Freunde. Wenn wir zusammen sind, stimmt die Chemie einfach.“
Bassist Tor, der 2018 dazu stieß, hat die Veteranencombo wieder verlassen - für ihn trat Nagash, vor allem mit Dimmu Borgir bekannt geworden, kürzlich dem Zirkel bei, er wird bei den kommenden Shows mitzocken. „Nun ja … Erfahrungen, Lektionen und Erkenntnisse … nichts währt ewig.“
„Skyggeånd“ beispielsweise ist eine heftig packende Nummer, der man schon beim Erstkontakt leicht verfallen kann - vor allem Marius’ Gesang ist verhängnisvoll intensiv und fesselnd. Absolut mitreißend, weil auch diese Komposition so originell wie eingängig ist und die instrumentale Darbietung von diesen erfahrenen Profis einfach wunderbar ist.
„Er ist auch einer meiner Favoriten. Für mich haben vor allem auch der Text eine ganz besondere Bedeutung. Es geht es darum, gegen die eigenen inneren Dämonen zu kämpfen. Und was passiert, wenn ich verliere? Musikalisch gefällt mir, dass er bodenständiger und eingängiger ist. Ich würde sagen, dieser Song hat ein bisschen mehr von der modernen ‚Old-School‘-Struktur des Black Metal.“
„The Mighty Odious“ hingegen, auch ein rasch erfolgreicher Ohrenstürmer, beinhaltet einige Arcturus-Nuancen.
Marius nickt. „Ein sehr guter Song, der einen von Anfang an voll erwischt. Er ist hart und brutal. In den Texten geht es darum, sich von der Religion zu befreien, nur um festzustellen, dass schon eine neue Religion auf uns zukommt, die noch viel schlimmer sein könnte. Arcturus-Anklänge … ja … das lässt sich kaum vermeiden, bei demselben Komponisten.“
© Markus Eck, 26.06.2026
Photo Credit: Mortem
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