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Interview: MYRATH
Titel: Heavy Weltmusik

Mit seiner Covercombo X-Tazy ab 2001 zugange, sollte für den damals 13-jährigen Gitarristen Malek Ben Arbia noch ein beispielhafter Werdegang folgen.

Als die Tunesier ihre beachtliche Karriere unter dem heutigen Bandnamen in 2006 forciert begannen und nachfolgend von einer französischen Plattenfirma für ihr Debütalbum unter Vertrag genommen wurden, waren sie damit die erste Metal-Band aus diesem Teil der Welt bei einem Label. 


Mit Überzeugung, Beharrlichkeit und Fleiß und erlesen gutem Geschmack schafften es Myrath im Weiteren mit ihrer nahöstlich konturierten und entsprechend folkloristisch angereicherten Genre-Interpretation nach ganz oben im Bereich des opulent arrangierten Progressive Metal.

Heuer glänzt die außergewöhnliche Erfolgsformation um den hochcharismatischen Sänger Zaher Zorgati mit einem weiteren Meisterwerk, dem siebten Album „Wilderness Of Mirrors“.

Wie der stets schwer beschäftigte Keyboarder Kévin Codfert, in Frankreich ansässig und von daher auch durch sein exquisites Tastenspiel bei Adagio bekannt geworden, zu berichten weiß, nimmt ihn auch die Orga für die Europa-Tour gerade voll in Beschlag, welche sich über den gesamten April erstrecken wird.

„Tourbusse, Taxis, Hotels, etc. etc. - eine für mich ziemlich trockene Materie, aber sie muss eben auch souverän absolviert werden, damit am Ende alles möglichst reibungslos für uns als Band unterwegs klappt.“

Offiziell gelistet als Bandmitglied ist der Tastemann seit 2024, doch, was viele nicht wissen, dieser feinsinnige Geist ist schon sehr viel länger mit Myrath zugange. 



„Eigentlich bin ich sogar schon seit dem ersten Album ‚Hope‘ involviert, über die Jahre habe ich darin wirklich vieles bewirkt und geschaffen. Vor drei Jahren kam dann Zaher auf mich zu und meinte, du solltest endlich auch mal mit uns zusammen auf der Bühne stehen. Als Person bin ich ja eher der schüchterne Typ, um es mal so zu sagen. Dazu muss erwähnt werden: Wir hatten vor einigen Jahren ohnehin eine kleine Reiberei mit dem vorhergehenden Keyboarder, so fiel es den Jungs sehr leicht, mich sozusagen dafür einzutauschen, mein offizieller Einstieg lief daher relativ glatt ab. Wir verstanden uns sowieso von Anfang an wunderbar, meine Mühen und Bestrebungen wurden von Anfang an von allen Members sehr dankbar angenommen.“

Nachfolgend auf die beeindruckend großvolumige und bombastisch arrangierte Produktion von „Wilderness Of Mirrors“ angesprochen, erhellt sich Kévins Antlitz in aller Bescheidenheit.

„Das sehe ich als logische Entwicklung an. Wir haben uns seit jeher bemüht, uns musikalisch von Jahr zu Jahr zu verbessern. Und das bezieht sich nicht nur rein instrumentell, sondern tatsächlich auch auf viele Bereiche des Songwritings an sich. Vor allem was die Folklore-Facetten bei uns angeht - oft werden wir als ‚Oriental Metal‘ umschrieben, was ich eher als Limitierung denn als ‚Exotische Anpreisung‘ erachte. Wir brachten dahingehend schließlich seit jeher tunesische als auch französische Folk- und Ethno-Parts in unsere Songs ein. Simultan richteten wir als vielseitig Interessierte unseren Fokus auch auf andere Teile des Globus aus - so tauchten wir lernwillig ein in indianische, afrikanische oder auch beispielsweise brasilianische Klänge und studierten deren Basics etc.“

Das neue Werk seiner Band sieht der Keyboarder daher nicht als als Revolution, wie so einige dazu seiner Erwartung nach bestimmt berichten werden, sondern viel eher als Evolution.

„Wenn revolutionär, dann einzig auf dem Level, dass wir beim Liederschreiben erstmals gar nichts mehr darauf gaben, was die Leute am Ende zu unseren neuen Kompositionen sagen werden. Das basiert darauf, dass wir die Welt bereits haben auf Tour und so viele Menschen bei unseren Konzerten sahen - und eben auch ihre direkten Reaktionen auf unser Material. Das schärft die kreativen Sinne enorm und so fokussierten wir uns in einer Art ‚Introspektion‘ einzig darauf, was uns gut tat und woran wir Freude empfanden beim Erstellen der neuen Tracks. Das ist schon klar ein gewichtiger Unterschied im Gegensatz zum vorherigen Album ‚Karma‘ aus 2024, und das hört man jetzt auch. Wir fühlen uns damit sehr viel besser als früher, haben nun keine Sorgen und Bedenken mehr, was nach Veröffentlichung auf den sozialen Netzwerken über uns so alles abgelassen wird. All die Jahre machte uns dies echt noch ziemlich zu schaffen. Heute kann ich herrlich entspannt und dabei auch seelenruhig-freundlich sagen: I don’t give a Fuck!“

Mit einer derartigen Emanzipation hat sich dieser wirklich liebenswerte Zeitgenosse definitiv einen Gefallen getan.

So kann er sich künftig bevorzug noch tiefer in die eigene Musik fallen lassen. Viel, sehr viel an Aufwand, Hingabe und Leidenschaft brachte Kévin in „Wilderness Of Mirrors“ ein, wie er in dem Kontext wissen lässt.

„Die aufwändigen Arrangements der neuen Songs nahmen mich für Jahre heftig in Beschlag, teils wollte es schier nicht enden, ich bin da eben aber auch einfach sehr anspruchsvoll mir selbst gegenüber. So sollte der Opener ‚The Funeral‘ de facto bereits auf dem Albumvorgänger erscheinen, doch ich war nicht zufrieden mit dessen Entwicklung. So nötigte es mir zwei weitere Jahre ab, bis ich alles darin zu meiner Zufriedenheit vorwärts brachte. Man muss ja zwischendurch auch mal loslassen, wenn man merkt, dass man punktuell nicht recht weiterkommt. Aber es hat sich wie so oft vollauf gelohnt, denn nun bin ich vollends und gänzlich happy damit.“

Die anschließende Frage nach seinen ganz persönlichen Beginn mit der Musik zieht eine lesenswerte Antwort nach sich: „Da war ich gerade mal vier! Meinen Abschluss habe ich dann auf dem nationalen Konservatorium gemacht - was mich dann auch als klassischen Pianisten auf diverse Bühnen brachte. Meine Klassik-Maestros kann ich rasch auflisten: Das sind eindeutig Rachmaninov und Bartók. Und ich möchte in dem Zuge auch noch jemand nennen aus der heutigen Zeit: Arcadi Volodos, ein international hochangesehener russischer Pianist.“

Befragt, welche gemeinsam übereinstimmende Gegebenheit allen in ihrer jeweilig frühesten Folklore musizierenden Ethnien der Erde grundsätzlich zueigen war, konstatiert der weltkundige französische Fachmann:

„Rhythmus! Der prähistorische Mensch begann definitiv mit Rhythmen zu hantieren, lange bevor es dabei überhaupt an Melodien ging. Hört man beispielsweise orientalische und indianische Folklore im direkten Vergleich, so ist deren jeweiliger Anspruch und tonaler Aufbau nur vordergründig different - die rhythmischen Ausformungen allerdings sind allzu oft beinahe identisch miteinander. Diese Frage freut mich, denn es ist ein immens komplexes Thema, in dem ich mich profund auskenne. Ich könnte also immens viel darüber erzählen.“

© Markus Eck, 15.03.2026

Photo Credit: Perrine Perez Fuentes

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