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Interview: RAUHBEIN
Titel: Schicksal als Chance

„Das Leben ist ein Rausch“, schmettert Frontmann Henry im Opener des neuen und vierten Albums „Rebellen & Helden“ mit beherzt rauer Kehle. Ja, spritzig, das kann er, der kumpelhafte Bärtige - und ehrlich, darauf legt er großen Wert, wie er wissen lässt.

So war es nur logisch, das der sprudelnd lebendige Folk Rock des köstlich eigenwilligen Nordhessen mit den beiden Vorgängern „Steh wieder auf“ und „Herz eines Kriegers“ steil nach oben schoß - haufenweise frenetisch abgefeierte Gigs inklusive.

Mit verdammt quirligen Celtic-Punk-Elementen versehen, animiert Rauhbein auch das Tanzbein nicht wenig. Und zu Irland hat Henry auch eine ganz besondere Beziehung entwickelt, wie er wissen lässt - dorthin fuhr er nämlich mit seinem Motorrad, um sich eine Zeitlang durchzuschlagen und dabei als Mensch und Musiker wichtige Erfahrungen zu sammeln.

„Es war damals in 2018 zwar nur eine eher kurze Episode für mich, aber eine sehr intensive. Nach meinem Arbeitsunfall - ein übler Sturz aus hoher Höhe in der Schwerindustrie, mit nachfolgender längerer Reha etc. - und der nachfolgenden körperlichen Einschränkung zog es mich einfach unbändig raus. Da es in die Zeit vor Corona fiel, hatte ich die Möglichkeit zu reisen und mich dabei neu zu erfinden - so entstand Rauhbein. Ich habe da nun länger nicht mehr drüber gesprochen.“

Für den maximal lebensnahen Bandboss kam nach diesem schlimmen Herunterfallen glücklicherweise dann ein „irrsinniger Aufstieg bis zum heutigen Tage“, wie der Sympathikus es nennt.

„Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt, kaum zu glauben. Im Titelsong von ‚Steh wieder auf’ habe ich genau das thematisiert. Vor meinem Unfall hörte ich schon sehr viel Musik, danach fing ich selbst an, welche zu machen. Für mich war es die beste Selbsttherapie, die ich finden konnte, um ‚aus meinem Loch‘ herauszukriechen. Alles ging dann plötzlich ziemlich schnell, ich bekam eine Unmenge gutes Feedback - auch von Leuten, die ähnliche Schicksalsschläge erlitten, und denen meine Musik geholfen hat.“

Zum Bandnahmen kam Henry nach einigem Sinnieren schließlich dann irgendwann über den Film „Käpt’n Rauhbein aus St. Pauli“ von 1971 mit dem weltberühmten Filmstar Curd Jürgens als Titelfigur. 


„Der Nutzung stand nichts im Wege, und ich begann zeitgleich auch mit dem Schreiben erster eigener Lieder. Ich erstellte zwei Demos, bewarb mich bei Labels und hatte auch dahingehend Glück, fand rasch ambitionierte Förderer - zunächst in Sachen Booking -, von dem Punkt an aber ging es stetig immer weiter nach oben. Es lief prächtig, was dann auch einen Deal bei einer Record Company nach sich zog. Ich stieß auf viele gute Leute, es eröffneten sich völlig neue Perspektiven für mich als Mensch und als Künstler, wofür ich wirklich sehr dankbar bin.“

Befragt, ob er seine Kompositionen auf dem neuen Werk „Rebellen & Helden“ als Gute-Laune-Garanten in einer eher schwierigen Zeit erachtet, gibt der Musikus zu Protokoll: 



„Nun, ich schreibe meine Songs nicht aus dem weltkritischen Blickwinkel, sondern vielmehr aus autobiografischer Sichtweise. Ich versuche einfach, meine Geschichte zu erzählen, wobei mir immer wieder neue Dinge einfallen, über die ich den Menschen berichten möchte. ‚Rebellen & Helden‘ hat daher vielerlei ‚Seitenwinke‘ auf meine Vergangenheit als auch auf meine jetzigen Lebensumstände - ebenso dazu, wo ich herkomme und wie es da so zugeht. Dies tat ich auf dem ersten Album bereits. Die aktuelle Single ‚Mein Kaff‘ hat da einiges zu sagen - ich liebe es eben einfach, ein ‚Landei‘ zu sein, genauso wie ich meine Gemeinschaft hier höchst schätze.“



Dass es dort sehr eigentümlich zugeht, ist zu erwarten - und der rundum geschmackvolle Sänger kann es nur bestätigen. „Ich war der einzige Jugendliche mit langen Haaren, mit Cowboystiefeln und Stretch-Jeans, und hörte laut Kreator, Slayer und Helloween. Dementsprechend hatte ich hier auch ganz schnell den ‚Stempel‘ aufgedrückt bekommen. Ich wurde allerdings nicht ausgegrenzt, sondern war und bin hier immer bestens integriert. Mehr noch, die ganze Community um mich herum ist heute natürlich stolz wie Oskar auf mich. Stolz darauf, dass der Junge, der vermeintlich für Drogen- und Alkoholsucht vorbestimmt war, mit seinem vierten Longplayer vielleicht erneut in die Top-100-Albumcharts kommt.“



Spricht’s, grinst und freut sich - und wie Henry mit Frohnatur-Stimmfall offenbart, sieht er sein Leben sowieso schon immer eher mit einem Augenzwinkern als mit Bekümmertheit. Die originellen neuen Songtexte können dies auch voll und ganz bestätigen.

„Dies trat insbesondere umso mehr in mir hervor, als ich am Boden war - es hat einfach keinen Zweck, im Selbstmitleid zu zerfließen. Das ist eine Kernaussage, die ich auch in den neuen Songs nach außen transportiere - man darf den Kopf nicht im Sand stecken lassen! Auch wenn es mal nicht so angenehm ist oder wenn es gar wehtut.“

© Markus Eck, 20.06.2026

Photo Credit: Moritz Ziegler

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