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Interview: XANDRIA
Titel: Dynamische Energie

Wahrlich eine exquisite Bereicherung für das gesamte Genre: Mit ihrem neuen und achten Studioalbum „Eclipse“ beweisen die Symphonic-Metal-Erstligisten aus Nordrhein-Westfalen, dass sie selbst nach mehr als drei Dekaden der Existenz ungemein erfrischendes, hochgradig belebendes und maximal genussvolles Songmaterial zu erschaffen imstande sind.

Nicht, dass Xandria zuvor weniger ambitioniert oder motiviert am Werk waren, doch wer die neue Veröffentlichung aufmerksam und empfohlen vertieft hört, dem erschließt sich eine auch blitzsauber und maßgeschneidert produzierte Elf-Song-Serie an prächtigstem Liedgut.

Wie Mastermind, Composer und Gitarrist Marco Heubaum offenbart, kommt es auch beileibe nicht von ungefähr, dass Sängerin Ambre Vourvahis diesmal gar so sehr und schlüssig überzeugen kann.

„Wir haben das selbst in aller nötigen Zeit, ohne hinderlichen Druck und dafür mit viel Liebe, Muse und Hingabe in meinem eigenen Neverworld-Studio zusammen produziert - das gab mir und Ambre die nötige Freiheit, um alles gemäß unserer Vorstellung ausreifen lassen zu können bzw. gemeinsam restlos auszufeilen. Während das letzte Album ‚The Wonders Still Awaiting’ eher ein Experimentieren mit verschiedenen Dingen war, gingen wir es für dieses neuen Album doch ganz anders an. Es ist definitiv fokussierter. Wir probieren darauf nicht einfach Dinge aus, ohne zu wissen, wohin sie führen. Sondern wir wussten stets genau, wo wir standen, durch eine klare Vision, wie das Ergebnis am Ende aussehen würde.“

Bei all der gewaltigen Kraft, imposanten Größe, fesselnden Signifikanz und feierlichen Opulenz der neuen Kompositionen keimt relativ rasch die gewichtige Frage auf: Noch komplexer, noch cinematischer, noch bombastischer? Marco hierzu:



„Die Frage habe ich mir selbst nicht gestellt, schließlich waren wir zuvor schon dahingehend sehr umfangreich aufgestellt. Das alles gezielt zu toppen, darum ging es nicht. Vielmehr sollten die erzählten Geschichten diesmal von all dem eher individuell unterstrichen werden - schließlich meint ‚cinematisch’ ja wirklich fokussiertes, betont dynamisch aufgebautes Storytelling und nicht, einfach nur orchestral riesig und ausschweifend zu sein. So ist das neue Album daher auch sehr reich an differierenden Elementen - manche davon werden diejenigen Leute gleich bemerken, die unser Vorgängeralbum gut kennen. Doch es gibt eben auch so einiges Neues zu entdecken.“

Als er die Songs schrieb, sagt er, hatte er oft das spezielle Feeling, es „auf diese Weise zuvor noch nicht gemacht“ zu haben, fügt er an.

„Oftmals kam es mir dabei vor wie ‚unter der Motorhaube‘, also nicht sofort eindeutig zu erkennen, aber das Gefühl war einfach da, etwas für Xandria bislang so noch nicht Umgesetztes zu erschaffen. Auf technischem Terrain war eigentlich alles wie gewohnt, doch emotional passierte da in mir viel Spannendes und echt Faszinierendes. Einfach gesagt, fing ich an, mich emotional auf eine neue Weise auszudrücken. Als Songwriter ist es herrlich, sich dabei selbst überrascht zu sehen, mit spannenden Gefühlen, die man bis dato noch nicht in Songs gepackt hat oder derartig einbringen konnte. Und davon gibt es reichlich auf ‚Eclipse‘. Für mich und auch die Band ist es immer eine Art Schlüssel bei Neuem, uns selbst herauszufordern und dann zusammen zu erleben, was dabei herauskommt.“



Der leichte und bequeme Weg des Bewährten ist immer verlockend, das sieht auch Marco so, doch das ist als genuin kreativer Geist eben einfach nicht sein Ding. „Ich spüre als Künstler so viel lieber schöpferisch originelle und vor allem unverbrauchte Zündfunken in mir, die etwas wirklich Interessantes auszulösen imstande sind. Und diese entstehen einfach am besten beim Ausprobieren neuer, ungewohnter Wege.“

An Inspiration mangelt es ihm dabei zu keiner Zeit, wie zu erfahren ist. „Ja, viele denken, ich verbringe ganze Tage und Nächte bei mir im Studio, und spiele - jammend - ununterbrochen auf der Gitarre beispielsweise. Doch genauso funktioniert es eben nicht für mich. Die allermeisten guten Ideen kommen mir außerhalb in den Sinn, z.B. wenn wir auf Tour sind, auf Reisen oder wenn ich im Auto fahrend sitze. Ich bin der Ansicht, der Geist benötigt verschiedene Situationen, Gegebenheiten, Orte, Eindrücke etc. um wirklich auf ergiebige Weise inspiriert zu werden. Das kann in den am meisten unerwarteten Momenten tolle Einfälle hervorbringen, wie ich selbst schon oft erlebte. Rein auf einem Instrument innerhalb von Wänden kann man das so nicht herbeiführen, denke ich. Und mit der Gitarre ist es ja eher anders herum - ich habe eine Idee im Kopf und setze mich dann damit hin und probiere verschiedene Richtungen aus, um sie in bestmöglich dazu passende Musik zu verwandeln. Manchmal ist das echt knifflig, je nach Komplexität, denn nicht jede vermeintlich gute Idee ist so leicht in den jeweiligen Inhalt vermittelnde Klänge bzw. Arrangements umzusetzen.“ 


© Markus Eck, 01.07.2026

Photo Credit: Stefan Heilemann & Mirko Witzki

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